Mara war lange überzeugt, dass Werbung bei ihr kaum funktioniert. Sie hielt sich für eine rationale Konsumentin, die Preise vergleicht und nur Dinge kauft, die sie wirklich braucht.
Vor einigen Wochen bemerkte sie jedoch, dass ihr in sozialen Netzwerken immer wieder dasselbe Pflegeprodukt angezeigt wurde. Mehrere Influencer empfahlen es, in kurzen Videos wurde es sehr positiv dargestellt, und zusätzlich tauchten ständig zeitlich begrenzte Angebote auf.
Je häufiger Mara das Produkt sah, desto vertrauter erschien es ihr. Als sie es schließlich in einem Geschäft reduziert entdeckte, kaufte sie es spontan, obwohl sie zu Hause bereits ein sehr ähnliches Produkt hatte.
Erst später fragte sie sich, warum sie diese Entscheidung überhaupt getroffen hatte. Einen deutlichen Qualitätsunterschied konnte sie nämlich kaum feststellen.
Rückblickend wurde ihr bewusst, dass nicht nur der Preis, sondern auch die ständige Wiederholung, die positiven Empfehlungen und das Gefühl, eine Gelegenheit verpassen zu können, eine Rolle gespielt hatten. Trotzdem wäre es für Mara zu einfach zu behaupten, dass Werbung grundsätzlich manipulativ und schlecht ist.
Werbung kann durchaus nützliche Informationen liefern und auf Produkte aufmerksam machen, die man sonst nicht entdeckt hätte. Problematisch wird es ihrer Meinung nach dann, wenn Konsumenten nicht mehr zwischen Information und gezielter Beeinflussung unterscheiden.
Seit dieser Erfahrung versucht Mara deshalb, bei größeren oder unnötigen Käufen bewusst zu warten, unabhängige Bewertungen zu vergleichen und sich zu fragen, ob sie das Produkt auch ohne Werbung haben wollte. Für sie tragen sowohl Unternehmen als auch Konsumenten Verantwortung: Werbung sollte transparent sein, gleichzeitig muss man lernen, die eigenen Kaufimpulse kritisch zu hinterfragen.