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So könnte eure Verhandlung klingen.
Ich glaube, wir haben unser ursprüngliches Ziel etwas aus den Augen verloren. Das Stipendium sollte besondere Leistung anerkennen, aber Bewerber mit hervorragenden Studienergebnissen gehen inzwischen teilweise leer aus.
Das stimmt. Die entscheidende Frage ist allerdings, ob die höchste Note automatisch die größte Leistung darstellt.
Zumindest ist sie ein vergleichsweise klares und überprüfbares Kriterium. Wenn wir immer mehr schwer messbare Faktoren aufnehmen, besteht die Gefahr, dass Entscheidungen beliebig wirken.
Transparenz ist wichtig. Aber selbst Noten sind weniger objektiv, als sie erscheinen.
Zwischen den Fachbereichen unterscheiden sich die Bewertungsmaßstäbe erheblich. A: Dann müssten wir Ergebnisse innerhalb der jeweiligen Fachbereiche vergleichen, statt alle direkt gegeneinanderzustellen.
Das wäre schon besser. Hinzu kommt aber, dass Studierende sehr unterschiedliche Möglichkeiten haben, überhaupt Spitzenleistungen zu erzielen.
Worauf beziehst du dich konkret? B: Einige Bewerber arbeiten neben dem Studium viele Stunden, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.
Dadurch haben sie weniger Zeit für unbezahlte Praktika, Forschungsprojekte oder zusätzliche Aktivitäten. A: Das ist nachvollziehbar.
Andererseits wäre es problematisch, wenn sehr starke akademische Leistungen am Ende kaum noch zählen. Das Programm wurde schließlich gerade dafür geschaffen.
Ich möchte sie gar nicht entwerten. Ich würde nur zwischen Ergebnis und Leistung unterscheiden.
Wir haben beispielsweise Bewerber, die mit relativ schwachen Voraussetzungen begonnen und sich während des Studiums außergewöhnlich stark verbessert haben. A: Das heißt, du möchtest Entwicklung stärker berücksichtigen?
Genau. Eine Person, die sich unter schwierigen Bedingungen massiv verbessert, kann durchaus mehr geleistet haben als jemand, der von Anfang an optimale Voraussetzungen hatte und konstant sehr gute Ergebnisse erzielt.
Dem ließe sich entgegenhalten, dass wir dann schwer beurteilen können, wie viel tatsächlich auf Anstrengung und wie viel auf andere Faktoren zurückzuführen ist. B: Absolut.
Deshalb würde ich auch keine direkte Bewertung von angeblichem Fleiß vorschlagen. Entwicklung lässt sich dagegen anhand des Studienverlaufs zumindest teilweise nachvollziehen.
Ich könnte mir ein Mindestniveau vorstellen. Wer dieses akademische Niveau nicht erreicht, kommt für das Stipendium nicht infrage.
Oberhalb dieser Schwelle würden weitere Kriterien berücksichtigt. B: Das halte ich für sinnvoll.
Dann bleibt fachliche Kompetenz eine notwendige Voraussetzung, entscheidet aber nicht allein. A: Welche zusätzlichen Kriterien wären für dich legitim?
Erstens außergewöhnliche Entwicklung. Zweitens relevante wissenschaftliche oder gesellschaftliche Beiträge.
Drittens sollten begrenzte Möglichkeiten berücksichtigt werden, sofern sie tatsächlich dokumentiert sind. A: Bei dem letzten Punkt brauche ich klare Regeln.
Sonst vergleichen wir Lebensgeschichten nach subjektivem Eindruck. B: Da stimme ich dir zu.
Es sollte nicht darum gehen, persönliche Schwierigkeiten gegeneinander aufzurechnen. Relevant wären nur Bedingungen, die nachweisbar den Zugang zu bestimmten Möglichkeiten eingeschränkt haben.
Außerdem sollten akademische Ergebnisse weiterhin ein erhebliches Gewicht behalten. Wir wissen aus den bisherigen Auswertungen, dass Stipendiaten mit sehr starken fachlichen Leistungen besonders häufig anspruchsvolle Forschungsprojekte erfolgreich abgeschlossen haben.
Das ist ein gutes Argument für fachliche Leistung, aber nicht zwingend dafür, ausschließlich die höchsten Noten zu belohnen. A: Einverstanden.
Dann könnten wir ein Modell formulieren, bei dem zunächst ein fachlicher Mindeststandard erfüllt sein muss. Danach bewerten wir relative akademische Stärke, Entwicklung und relevante Beiträge.
Und eingeschränkte Ausgangsmöglichkeiten werden dort berücksichtigt, wo sie die Interpretation dieser Leistungen tatsächlich verändern. A: Wichtig wäre mir, dass jede Entscheidung anhand derselben veröffentlichten Kriterien begründet werden kann.
Mir auch. Dann wäre Leistung weder rein als Endergebnis noch bloß als subjektiv vermutete Anstrengung definiert.
Sondern als Kombination aus nachgewiesener Kompetenz, Entwicklung und Beitrag unter den jeweils vorhandenen Möglichkeiten. B: Genau.
Das erscheint mir deutlich tragfähiger als entweder reine Notenranglisten oder völlig offene Einzelfallentscheidungen.