Emma verband Erfolg lange mit relativ klaren äußeren Kriterien: einem angesehenen Beruf, einem steigenden Einkommen und kontinuierlichem beruflichem Aufstieg. Diese Vorstellung war keineswegs ausschließlich ihre eigene.
Sowohl in ihrer Familie als auch während des Studiums wurde berufliche Leistung stark betont, und öffentlich sichtbar waren vor allem jene Menschen, die neue Positionen, höhere Gehälter oder prestigeträchtige Projekte vorweisen konnten. Beim Wiedersehen mit früheren Studienfreunden gerät dieses Modell jedoch ins Wanken.
Einer ihrer Bekannten hat genau die Karriere gemacht, die Emma früher bewundert hätte. Gleichzeitig berichtet er von ständiger Erreichbarkeit, langen Arbeitszeiten und kaum vorhandener Freizeit.
Eine andere Freundin arbeitet selbstständig, verdient deutlich unregelmäßiger, schätzt dafür aber ihre Unabhängigkeit und die Möglichkeit, eigene Projekte auszuwählen. Ein dritter ehemaliger Studienkollege hat sogar bewusst eine Beförderung abgelehnt, weil ihm Zeit für Beziehungen, ehrenamtliches Engagement und persönliche Interessen wichtiger geworden ist.
Auf den ersten Blick könnte man versuchen, diese Lebenswege anhand von Einkommen oder Status zu vergleichen. Bei genauerer Betrachtung greift das jedoch zu kurz.
Finanzielle Sicherheit und Anerkennung sind zweifellos relevant, gleichzeitig sind Lebenszufriedenheit, Autonomie oder verfügbare Zeit wesentlich schwerer messbar. Daraus folgt meiner Ansicht nach aber nicht, dass Erfolg ausschließlich subjektiv ist und jede beliebige Entscheidung automatisch als erfolgreich gelten kann.
Auch persönliche Ziele können von gesellschaftlichen Erwartungen geprägt oder kurzfristig gewählt sein. Entscheidend ist deshalb eher, ob jemand seine Prioritäten bewusst reflektiert, die Konsequenzen akzeptiert und das gewählte Lebensmodell langfristig als stimmig erlebt.
Eine allgemeingültige Definition von Erfolg erscheint mir daher kaum möglich. Erfolg lässt sich sinnvoller als Verhältnis zwischen eigenen Zielen, äußeren Bedingungen und tatsächlicher Lebenszufriedenheit verstehen.