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So könnte eure Verhandlung klingen.
Ich möchte beide Wissenschaftler in die Sendung einladen. Gerade bei diesem Thema wird uns vorgeworfen, abweichende Expertenmeinungen absichtlich auszublenden.
Gegen beide Gäste habe ich grundsätzlich nichts. Ich halte nur das klassische Eins-gegen-eins-Format für problematisch.
Warum? Beide sind fachlich qualifiziert und haben peer-reviewte Forschung veröffentlicht.
Das stimmt. Die Evidenz hinter den Positionen ist allerdings nicht gleich verteilt.
Die meisten größeren neueren Studien stützen derzeit die eine Interpretation. Die Gegenposition basiert stärker auf kleineren und teilweise älteren Datensätzen.
Das wusste ich nicht in dieser Deutlichkeit. Trotzdem existieren seriöse Studien, die zu einem anderen Ergebnis kommen.
Wenn wir das verschweigen, stellen wir die Wissenschaft eindeutiger dar, als sie tatsächlich ist. B: Das will ich auch nicht.
Eine Position sichtbar zu machen ist aber nicht dasselbe, wie ihr automatisch die Hälfte der wissenschaftlichen Gewichtung zu geben. A: Dann müssen wir das Verhältnis der Evidenz bereits vor dem Gespräch erklären.
Genau. Sonst sehen die Zuschauer zwei Professoren an einem Tisch und schließen daraus, dass die Forschung ungefähr fünfzig zu fünfzig gespalten sei.
Gleichzeitig haben uns Betroffene ausdrücklich darum gebeten zu erklären, warum Experten überhaupt zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. B: Das ist ein guter Punkt.
Genau darauf würde ich den Schwerpunkt legen: nicht nur darauf, wer recht hat, sondern warum die Bewertungen voneinander abweichen. A: Weißt du, worin der zentrale methodische Unterschied besteht?
Teilweise stellen sie sogar verschiedene Fragen. Der eine untersucht, ob überhaupt ein messbarer Effekt existiert.
Der andere fragt, ob die vorhandene Evidenz bereits stark genug ist, um eine bestimmte politische Maßnahme zu rechtfertigen. A: Dann vermischen wir wissenschaftliche und politische Uneinigkeit, wenn wir beide einfach mit derselben Ja-oder-Nein-Frage konfrontieren.
Genau. Das sollten wir in der Sendung ausdrücklich trennen.
Ich könnte mir vorstellen, zunächst kurz den Stand der Forschung erklären zu lassen und danach beide Experten zu den Punkten zu befragen, bei denen tatsächlich Dissens besteht. B: Dafür wäre zusätzlich jemand mit methodischer Expertise hilfreich, der selbst keine der beiden politischen Positionen vertritt.
Also kein dritter Teilnehmer für eine weitere Meinung, sondern jemand, der erklärt, warum Studiendesigns und Datensätze zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. B: Genau.
Außerdem würde ich beiden Experten dieselbe schwierige Frage stellen: Welche Evidenz spricht am stärksten gegen die eigene Interpretation? A: Das gefällt mir.
Dadurch wird sichtbar, ob jemand Unsicherheit ernst nimmt oder nur die eigene Position verteidigt. B: Und wir sollten nicht versprechen, dass die Sendung am Ende eine endgültige Antwort liefert.
Gleichzeitig müssen wir verhindern, dass beim Publikum nur der Eindruck zurückbleibt, niemand wisse irgendetwas. B: Deshalb erklären wir auch, welche Punkte relativ gut abgesichert sind und worüber tatsächlich noch gestritten wird.
Was machen wir mit der Redezeit? Exakt gleich verteilen?
Nicht unbedingt. Faire Behandlung bedeutet für mich, beide Positionen korrekt darzustellen und kritisch zu prüfen.
Es bedeutet nicht zwangsläufig mathematisch identische Minuten. A: Unter dieser Bedingung kann ich zustimmen.
Die Minderheitenposition kommt vor, aber wir erklären transparent, wie sie sich zur breiteren Forschungslage verhält. B: Außerdem veröffentlichen wir nach der Sendung die Studien, auf die sich die Aussagen beziehen.
Und falls sich die Evidenz später verändert, machen wir eine sichtbare Aktualisierung statt so zu tun, als hätten wir von Anfang an alles gewusst. B: Genau.
Dann wäre unser Grundsatz: Dissens nicht verstecken, aber auch keine wissenschaftliche Gleichverteilung simulieren, die in der Forschung so nicht existiert. A: Das ist für mich eine deutlich bessere Form von Ausgewogenheit als einfach zwei gegensätzliche Stimmen nebeneinanderzustellen.