Während ihrer Schulzeit erlebte Julia überwiegend klassischen, stark lehrergesteuerten Unterricht. Die Lehrkraft erklärte den Stoff, die Schülerinnen und Schüler machten sich Notizen und bereiteten sich anschließend auf Tests vor.
Julia schätzte diese klare Struktur, weil sie genau wusste, was von ihr erwartet wurde. Gleichzeitig hatte sie jedoch oft den Eindruck, dass sie Informationen hauptsächlich auswendig lernte, ohne sie wirklich anwenden zu können.
Später besuchte sie einen Kurs, in dem vieles anders organisiert war. Die Studierenden arbeiteten an Projekten, diskutierten reale Probleme und mussten ihre Arbeit weitgehend selbst planen.
Zunächst fand Julia diese Freiheit sehr motivierend. Gleichzeitig merkte sie aber, dass offene Lernformen nicht automatisch besser funktionieren.
Einige Studierende übernahmen sehr viel Verantwortung, andere beteiligten sich kaum, und unklare Aufgaben führten manchmal zu unnötiger Verwirrung. Deshalb sieht Julia die Frage heute differenzierter.
Weder rein lehrergesteuerter Unterricht noch völlig selbstständiges Lernen ist für sie grundsätzlich ideal. Guten Unterricht erkennt sie vielmehr daran, dass klare Ziele und Erklärungen mit aktiver Beteiligung, sinnvollen Aufgaben und individueller Rückmeldung verbunden werden.
Auch digitale Medien können dabei hilfreich sein, allerdings nur, wenn sie ein konkretes Lernziel unterstützen. Ein Tablet oder eine Lernplattform macht Unterricht ihrer Meinung nach nicht automatisch moderner oder besser.
Gleichzeitig verändert sich für Julia die Rolle der Lehrkraft: Sie sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern Lernprozesse begleiten, Schwierigkeiten erkennen, Feedback geben und Lernende schrittweise selbstständiger machen. Alles in allem kommt Julia zu dem Schluss, dass guter Unterricht sowohl Orientierung als auch Freiheit braucht.