SPRECHEN · MONOLOG

C2 · Wie viel unserer Identität wählen wir selbst?

C2~ 8 Min.
Sieh dir die Situation an und analysiere, warum Daniel weder eine rein individuelle noch eine rein gesellschaftliche Erklärung von Identität überzeugend findet. Unterscheide zwischen Selbstdefinition, sozialer Zuschreibung, relationaler Zugehörigkeit und biografischer Prägung und entwickle daraus ein eigenes Verständnis davon, was persönliche Identität ausmacht.
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SITUATION

Worum geht es?

Bei einem Familientreffen erlebt Daniel gleichzeitig mehrere Versionen seiner eigenen Person: Für seine Eltern, seine Tochter, seine Verwandten und seine Kollegen bedeutet seine Identität jeweils etwas anderes. Dadurch beginnt er grundsätzlicher darüber nachzudenken, welche Teile seines Selbst gewählt, geprägt oder erst durch Beziehungen zu anderen entstanden sind.

Daniel erlebt bei einem Familientreffen, wie unterschiedliche Menschen ihn in verschiedenen sozialen Rollen wahrnehmen.
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DEIN MONOLOG

Sprich über diese Punkte

  1. Warum glaubte Daniel als junger Erwachsener zunächst, Identität vor allem selbst wählen zu können?
  2. Inwiefern waren selbst seine bewussten Abgrenzungen bereits durch seine Herkunft geprägt?
  3. Warum müssen unterschiedliche soziale Rollen nicht automatisch Ausdruck von Unechtheit sein?
  4. Welche Probleme entstehen, wenn andere Menschen Daniel Eigenschaften zuschreiben, mit denen er sich selbst nicht identifiziert?
  5. Warum kann eine soziale Identität dennoch nicht vollständig durch individuelle Selbstdefinition entstehen?
  6. Wie unterscheidet sich eine stereotype Fremdzuschreibung von legitimer sozialer Anerkennung einer Beziehung oder Rolle?
  7. Welche Möglichkeiten besitzt ein Mensch, geerbte Zugehörigkeiten neu zu interpretieren oder abzulehnen?
  8. Warum ist auch die Vorstellung eines vollkommen frei erfundenen Selbst problematisch?
  9. Inwiefern kann sogar die Forderung nach Authentizität selbst zu einer gesellschaftlichen Norm werden?
  10. Welches Verständnis von Identität erscheint Daniel schließlich angemessener als die Alternative zwischen Fremdbestimmung und freier Selbstkonstruktion?
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SOFORT SPRECHEN

Starte mit diesen Sätzen

  • Selbstbestimmung findet nie in einem vollständig voraussetzungslosen Raum statt.
  • Auch die bewusste Ablehnung einer Erwartung kann von genau dieser Erwartung geprägt sein.
  • Unterschiedliche Rollen müssen nicht verschiedene falsche Versionen derselben Person darstellen.
  • Identität ist teilweise relational und entsteht damit auch in Beziehungen zu anderen.
  • Das gibt anderen jedoch kein uneingeschränktes Recht, einer Person beliebige Eigenschaften zuzuschreiben.
SPRACHHILFE

Alles Wichtige auf einen Blick

Weitere Redemittel

  • Zwischen Anerkennung einer Zugehörigkeit und stereotypisierender Festlegung muss unterschieden werden.
  • Herkunft begrenzt Möglichkeiten, ohne sämtliche spätere Selbstdeutungen festzulegen.
  • Die Vorstellung eines vollkommen autonomen Selbst unterschätzt soziale und biografische Abhängigkeiten.
  • Die gegenteilige Vorstellung eines vollständig gesellschaftlich produzierten Selbst unterschätzt die Fähigkeit zur Revision.
  • Identität lässt sich plausibler als fortlaufender Prozess der Aneignung, Zurückweisung und Neubewertung verstehen.

Pflichtlexik

  • die Selbstzuschreibung
  • die Fremdzuschreibung
  • die Zugehörigkeit
  • die soziale Anerkennung
  • die biografische Prägung
  • die Selbstdeutung
  • die Rollenidentität
  • die relationale Identität
  • die Kontinuität
  • die Abgrenzung
  • die Authentizität
  • die soziale Erwartung
  • eine Zugehörigkeit beanspruchen
  • eine Zuschreibung zurückweisen
  • eine Tradition reinterpretieren
  • sich von einer Rolle distanzieren
  • eine Identität aushandeln
  • Identität essentialisieren

Grammatik

  • Die Annahme, Identität lasse sich vollständig selbst bestimmen, setzt voraus, dass …
  • Gerade die Abgrenzung von einer Erwartung kann insofern Ausdruck ihrer Wirkung sein, als …
  • Dass Daniel sich in unterschiedlichen Kontexten verschieden verhält, erlaubt noch nicht den Schluss, dass …
  • Eine soziale Rolle besteht ihrem Begriff nach nicht ausschließlich darin, wie …
  • Dem ließe sich entgegenhalten, dass Fremdzuschreibungen häufig …
  • Dieser Einwand trifft zu, ohne jedoch die weitergehende Behauptung zu rechtfertigen, dass …
  • Insofern als Identität auf Anerkennung angewiesen ist, …
  • Gleichwohl wäre es verfehlt, daraus eine vollständige Determination durch … abzuleiten.
  • Paradoxerweise kann selbst die Forderung nach radikaler Authentizität dazu führen, dass …
  • Statt Identität als entweder gegeben oder frei erfunden zu verstehen, ließe sie sich auffassen als …
  • Ausschlaggebend ist weniger die Frage, welchen Ursprung ein Merkmal hat, als vielmehr, …
  • Ein angemessener Identitätsbegriff müsste daher sowohl Kontinuität als auch Revisionsfähigkeit erklären können.
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