Maja hat zu Beginn ihrer Arbeit Nachhaltigkeit häufig als klassischen Zielkonflikt verstanden. Wer Emissionen deutlich senken wolle, müsse weniger Auto fahren, weniger fliegen, Energie sparen und möglicherweise höhere Preise akzeptieren.
Daraus entstand schnell der Eindruck, Klimaschutz bedeute zwangsläufig einen niedrigeren Lebensstandard. Ihre Erfahrungen in der Stadtentwicklung haben dieses Bild jedoch differenziert.
Ein zuverlässiger öffentlicher Verkehr kann beispielsweise dazu führen, dass ein Haushalt kein zweites Auto mehr benötigt. Energetisch sanierte Wohnungen verbrauchen weniger Energie und bieten gleichzeitig mehr Komfort.
Begrünte öffentliche Räume, sichere Radwege oder verkehrsberuhigte Straßen können Lebensqualität erhöhen, obwohl sie keinen zusätzlichen privaten Konsum erzeugen. Insofern hängt die Antwort stark davon ab, was überhaupt unter Wohlstand verstanden wird.
Die Transformation ist dennoch nicht kostenlos. Gebäude müssen saniert, Infrastruktur muss umgebaut und Beschäftigte in schrumpfenden Branchen teilweise neu qualifiziert werden.
Besonders problematisch wird es, wenn diese Kosten sozial ungleich verteilt sind. Ein höherer Energiepreis mag für einen wohlhabenden Haushalt kaum relevant sein, während er bei niedrigem Einkommen einen erheblichen Teil des verfügbaren Budgets beansprucht.
Gleichzeitig verursachen wohlhabendere Haushalte häufig einen deutlich höheren Ressourcenverbrauch. Eine Politik, die diese Unterschiede ignoriert, dürfte daher sowohl sozial als auch politisch instabil werden.
Ebenso skeptisch ist Maja gegenüber der Vorstellung, technische Innovation werde alle Zielkonflikte lösen. Effizientere Produkte reduzieren zwar den Verbrauch pro Nutzung, doch ein Teil dieser Einsparungen kann durch zusätzlichen Konsum wieder aufgehoben werden.
Das spricht gegen die Annahme, materieller Konsum könne unbegrenzt wachsen, während Umweltbelastungen unabhängig davon immer weiter sinken. Daraus folgt für mich jedoch nicht, dass Nachhaltigkeit notwendigerweise Verarmung bedeutet.
Wenn Wohlstand auch Gesundheit, Zeit, Wohnsicherheit, Mobilität, Bildung, soziale Beziehungen und eine intakte Umwelt umfasst, kann eine Gesellschaft einige ressourcenintensive Formen des Konsums reduzieren und gleichzeitig andere Dimensionen des Wohlstands verbessern. Entscheidend wäre, die unvermeidbaren Transformationskosten so zu verteilen, dass Menschen mit geringeren finanziellen Möglichkeiten geschützt werden und jene mit besonders hohem Ressourcenverbrauch einen größeren Beitrag leisten.
Der eigentliche Gegensatz besteht deshalb weniger zwischen Klimaschutz und Wohlstand als zwischen unterschiedlichen Vorstellungen davon, was gesellschaftlicher Wohlstand sein soll.