Claras Forschungsteam hat eine Pflanzensorte entwickelt, die wesentlich besser mit längeren Trockenperioden umgehen kann. Angesichts zunehmender Dürren erscheint der Nutzen zunächst offensichtlich: stabilere Ernten, ein geringerer Wasserbedarf und möglicherweise weniger chemische Pflanzenschutzmittel.
Gerade deshalb betrachtete Clara den Erfolg anfangs hauptsächlich als wissenschaftlichen Fortschritt. Im Laufe des Projekts wurde ihr jedoch bewusst, dass technische Machbarkeit nur einen Teil der Entscheidung beantwortet.
Langfristige ökologische Wechselwirkungen lassen sich nicht vollständig vorhersagen, und eine großflächige Einführung könnte Folgen haben, die sich später nur schwer rückgängig machen lassen. Hinzu kommen wirtschaftliche Fragen, etwa die Abhängigkeit von patentiertem Saatgut oder die Frage, wer von der Technologie profitiert und wer mögliche Risiken trägt.
Daraus folgt allerdings nicht, dass man eine neue Technologie erst dann einsetzen dürfte, wenn jede Unsicherheit verschwunden ist. Ein solcher Maßstab wäre kaum erfüllbar.
Außerdem ist auch das bestehende landwirtschaftliche System mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. Das Nichtstun ist folglich ebenfalls eine Entscheidung mit Konsequenzen.
Für mich liegt die entscheidende Frage deshalb darin, wie mit Unsicherheit umgegangen wird. Je schwerwiegender und irreversibler mögliche Schäden wären, desto höher müsste die Beweis- und Sicherheitsanforderung sein.
Gleichzeitig sollten begrenzte und kontrollierbare Pilotprojekte möglich bleiben, sofern ihre Ergebnisse unabhängig überprüft werden und klare Regeln für einen Abbruch bestehen. Verantwortlicher Fortschritt setzt außerdem Transparenz über wirtschaftliche Interessen und eine eindeutige Zuständigkeit für mögliche Schäden voraus.
Wissenschaft sollte also nicht allein fragen, was technisch machbar ist. Sie muss ebenso fragen, welchem Zweck eine Innovation dient, wer von ihr profitiert, wer Risiken trägt und ob die Gesellschaft mit den möglichen Folgen verantwortbar umgehen kann.