Bevor Lea mit Martin zusammenarbeitete, hatte sie einige Vorstellungen, die sie selbst kaum hinterfragt hatte. Sie ging zum Beispiel davon aus, dass ältere Menschen mit digitalen Werkzeugen grundsätzlich größere Schwierigkeiten haben und dass jüngere Menschen flexibler auf Veränderungen reagieren.
Martin wiederum äußerte gelegentlich die Meinung, junge Leute würden zu viel Zeit online verbringen und hätten weniger Geduld oder praktische Erfahrung. Bei einem gemeinsamen Nachbarschaftsprojekt merkten beide jedoch schnell, dass diese Bilder zu einfach waren.
Lea zeigte Martin, wie man digitale Dateien organisiert, Termine online koordiniert und Informationen schnell mit einer größeren Gruppe teilt. Gleichzeitig erklärte Martin ihr vieles über die Geschichte des Viertels, löste praktische Probleme und konnte über persönliche Kontakte Menschen erreichen, die auf digitale Einladungen kaum reagiert hätten.
Besonders überrascht war Lea davon, wie schnell Martin neue Programme lernte, sobald er einen konkreten Nutzen darin sah. Martin wiederum erkannte, dass digitale Kommunikation reale Begegnungen nicht zwangsläufig ersetzt, sondern sie auch erleichtern kann.
Natürlich verlief die Zusammenarbeit nicht immer problemlos. Lea wollte vieles möglichst schnell organisieren, während Martin sich für manche Entscheidungen mehr Zeit nahm.
Statt diese Unterschiede jedoch einfach mit dem Alter zu erklären, begannen beide, über ihre jeweiligen Arbeitsweisen zu sprechen. Dadurch wurde Lea klar, dass individuelle Erfahrung, Persönlichkeit und Motivation häufig wichtiger sind als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation.
Ihrer Meinung nach können verschiedene Generationen besonders viel voneinander lernen, wenn nicht eine Seite automatisch als Lehrende und die andere als Lernende betrachtet wird. Entscheidend ist vielmehr, dass beide etwas beitragen können und an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.
Für Lea bedeutet intergenerationelle Zusammenarbeit deshalb nicht, Unterschiede zu ignorieren, sondern sie sinnvoll zu nutzen, ohne daraus starre Klischees zu machen.