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B1: Leselektüre: Wohnen und Nachbarschaft

B1 LESETRAINING

Wohnen und Nachbarschaft

Lebensnahe Lesetexte für Deutschlernende – mit Fotos, individuellen Lesebegleitern, Verständnisfragen, Lösungen und einem Abschlusstest.

B1 LESEN & VERSTEHEN

Zehn Geschichten über die erste eigene Wohnung, Umzüge, neue Nachbarn, Hausregeln, Lärm, Konflikte und gegenseitige Hilfe.

10 Lesetexte 10 Lesebegleiter 80 Textfragen 10 Abschlussfragen
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TEXT 1

Die erste eigene Wohnung

↑ Übersicht

Als Selin den Schlüssel zu ihrer ersten eigenen Wohnung bekam, fühlte sie sich gleichzeitig erwachsen und völlig überfordert. Die Wohnung war klein: ein Zimmer, eine schmale Küche, ein Bad und ein Balkon, auf dem gerade ein Stuhl Platz hatte. Trotzdem war sie stolz. Zum ersten Mal musste sie nicht mehr fragen, ob sie spät duschen oder das Fenster offen lassen durfte.

Am ersten Abend saß sie auf dem Boden, weil ihr Sofa noch nicht geliefert worden war. Neben ihr standen fünf Umzugskartons, eine Matratze lag an der Wand, und in der Küche gab es nur zwei Tassen und eine Gabel. Selin lachte, machte ein Foto und schickte es ihrer Mutter. Die antwortete: „Sieht gemütlich aus. Nur ein bisschen leer.“

In den nächsten Tagen merkte Selin, dass Freiheit auch Arbeit bedeutet. Sie musste Strom anmelden, den Internetvertrag abschließen, Lebensmittel kaufen und plötzlich selbst daran denken, wann der Müll abgeholt wird. Früher hatte sie sich über die Hausordnung nie Gedanken gemacht. Jetzt las sie sie genau, weil sie keine Probleme mit den Nachbarn wollte.

Besonders schwierig war die erste Nacht. Das Haus machte fremde Geräusche. Irgendwo lief Wasser, jemand ging im Treppenhaus, und aus der Wohnung über ihr hörte sie leise Schritte. Selin fühlte sich kurz einsam. Am nächsten Morgen klingelte jedoch eine ältere Nachbarin und brachte ihr einen kleinen Kuchen. „Willkommen im Haus“, sagte sie.

Da verstand Selin: Eine eigene Wohnung bedeutet nicht, dass man ganz allein ist. Man hat mehr Verantwortung, aber manchmal findet man auch neue Menschen direkt hinter der nächsten Tür.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Wie fühlt sich Selin, als sie den Schlüssel bekommt?
  2. Wie sieht ihre Wohnung aus?
  3. Warum sitzt Selin am ersten Abend auf dem Boden?
  4. Welche Aufgaben muss sie plötzlich selbst erledigen?
  5. Warum liest sie die Hausordnung genau?
  6. Warum fühlt sie sich in der ersten Nacht kurz einsam?
  7. Was macht die ältere Nachbarin am nächsten Morgen?
  8. Was versteht Selin am Ende?
TEXT 2

Der Umzug, der fast schiefging

↑ Übersicht

Jonas hatte seinen Umzug genau geplant. Um neun Uhr sollte der Transporter kommen, um zehn Uhr wollten drei Freunde helfen, und um zwölf Uhr sollte das große Regal schon in der neuen Wohnung stehen. Auf seiner Liste sah alles einfach aus. In Wirklichkeit begann das Chaos schon um 8:30 Uhr.

Der Transporter war nicht verfügbar, weil die Firma seine Reservierung falsch notiert hatte. Einer seiner Freunde schrieb, dass er krank sei. Ein anderer hatte verschlafen. Nur Amir stand pünktlich vor der alten Wohnung und fragte: „Wo ist der Wagen?“ Jonas wollte zuerst wütend werden, aber dafür hatte er keine Zeit.

Sie suchten schnell eine andere Lösung. Nach vielen Telefonaten fanden sie einen kleineren Wagen. Das bedeutete aber, dass sie zweimal fahren mussten. Beim ersten Mal passten nur Kartons und ein paar Stühle hinein. Das Regal blieb im Flur stehen und blockierte fast die Haustür. Eine Nachbarin kam heraus und sah Jonas streng an. „Das darf hier nicht lange stehen bleiben“, sagte sie.

Am Nachmittag kamen die anderen Freunde doch noch. Gemeinsam trugen sie Möbel, schraubten Tischbeine ab und lachten über die schiefen Pläne. Als endlich alles in der neuen Wohnung war, war Jonas völlig erschöpft. Sein Regal stand nicht im Wohnzimmer, sondern im Schlafzimmer, weil es durch die Tür nicht anders passte.

Am Abend saßen alle auf Kartons und aßen Pizza. Jonas schaute sich um. Nichts war so gelaufen wie geplant. Aber ohne die Hilfe seiner Freunde hätte er es nicht geschafft. Manchmal ist ein Umzug nicht perfekt organisiert, sondern einfach gemeinsam überlebt.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Wie hatte Jonas seinen Umzug geplant?
  2. Welches Problem gab es mit dem Transporter?
  3. Wer kam pünktlich zur alten Wohnung?
  4. Warum mussten Jonas und Amir zweimal fahren?
  5. Warum beschwerte sich die Nachbarin?
  6. Was machten die Freunde am Nachmittag?
  7. Warum stand das Regal am Ende im Schlafzimmer?
  8. Was lernt Jonas über den Umzug?
TEXT 3

Neue Nachbarn im dritten Stock

↑ Übersicht

Als die neue Familie in den dritten Stock einzog, bemerkte Paul sie zuerst nur an den Geräuschen. Kartons wurden getragen, Möbel über den Boden geschoben, ein Kind lachte im Treppenhaus. Paul wohnte schon seit fünf Jahren in dem Haus und kannte die meisten Nachbarn. Neue Menschen machten ihn neugierig, aber er wollte nicht aufdringlich wirken.

Ein paar Tage später traf er die neue Nachbarin vor den Briefkästen. Sie hielt mehrere Umschläge in der Hand und sah verwirrt aus. „Entschuldigung“, fragte sie, „wissen Sie, wo man hier die Pakete abholt, wenn niemand zu Hause war?“ Paul erklärte ihr den kleinen Paketraum im Keller. Danach stellte sie sich vor: Sie hieß Mara und war mit ihrem Mann und ihrer Tochter gerade aus einer anderen Stadt gekommen.

In den nächsten Wochen begegneten sie sich öfter. Paul hielt die Haustür auf, Mara brachte einmal aus Versehen seine Zeitung mit nach oben, und ihre Tochter malte mit Kreide kleine Blumen vor den Hauseingang. Manche Nachbarn fanden das unordentlich, aber Paul musste lächeln.

Eines Abends fiel im ganzen Haus das Licht im Treppenhaus aus. Mara klopfte bei Paul, weil sie nicht wusste, wen man anrufen musste. Gemeinsam suchten sie die Nummer der Hausverwaltung. Während sie warteten, standen mehrere Nachbarn im Flur. Plötzlich redeten Menschen miteinander, die sich sonst nur kurz gegrüßt hatten.

Am nächsten Tag hing ein kleiner Zettel im Treppenhaus: „Danke für die Hilfe gestern – Mara und Familie.“ Paul merkte, dass Nachbarschaft oft mit einem kleinen Problem beginnt und manchmal mit einem freundlichen Gespräch weitergeht.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Woran bemerkt Paul zuerst die neue Familie?
  2. Warum spricht Mara Paul vor den Briefkästen an?
  3. Wo befindet sich der Paketraum?
  4. Was macht Maras Tochter vor dem Hauseingang?
  5. Warum klopft Mara eines Abends bei Paul?
  6. Was suchen Paul und Mara gemeinsam?
  7. Was passiert im Flur, während sie warten?
  8. Was merkt Paul am Ende über Nachbarschaft?
TEXT 4

Lärm um Mitternacht

↑ Übersicht

Lea war eigentlich geduldig. Sie wusste, dass man in einem Mehrfamilienhaus nicht absolute Stille erwarten kann. Türen fallen zu, Kinder laufen, jemand kocht spät am Abend oder hört Musik. Doch seit zwei Wochen kam aus der Wohnung nebenan fast jede Nacht laute Musik.

Am Anfang sagte Lea nichts. Vielleicht war es nur eine Feier, dachte sie. Dann vielleicht ein Geburtstag. Aber als sie am dritten Dienstag hintereinander um Mitternacht wach im Bett lag, wurde sie wütend. Am nächsten Morgen hatte sie eine wichtige Präsentation und konnte sich kaum konzentrieren.

Ihre erste Idee war, einen bösen Zettel an die Tür zu hängen. „Nachtruhe bedeutet Nachtruhe!“ schrieb sie auf ein Blatt. Doch bevor sie es aufhängte, las sie den Satz noch einmal. Er klang wie ein Angriff. Lea zerknüllte den Zettel und beschloss, direkt zu klingeln.

Der Nachbar öffnete überrascht. Er hieß David und war gerade neu eingezogen. Als Lea ruhig erklärte, dass sie nachts kaum schlafen könne, wurde er rot. Er erzählte, dass er als Musiker oft mit Kopfhörern arbeitete, aber seine Lautsprecher manchmal zum Testen benutze. Ihm sei nicht klar gewesen, wie laut es nebenan ankommt.

Sie vereinbarten, dass David nach 22 Uhr nur noch mit Kopfhörern arbeitet. Zwei Tage später fand Lea eine kleine Packung Tee vor ihrer Tür mit einer Notiz: „Danke, dass du es freundlich gesagt hast.“ Lea war froh, dass sie nicht den bösen Zettel genommen hatte. Manche Konflikte werden größer, wenn man sie nicht richtig beginnt.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Warum sagt Lea am Anfang nichts?
  2. Was stört sie seit zwei Wochen?
  3. Warum wird sie an einem Dienstag besonders wütend?
  4. Was wollte sie zuerst an die Tür hängen?
  5. Warum entscheidet sie sich gegen den Zettel?
  6. Was erklärt David ihr?
  7. Welche Lösung finden Lea und David?
  8. Warum ist Lea am Ende froh?
TEXT 5

Der Streit um die Waschmaschine

↑ Übersicht

Im Keller von Annas Haus standen zwei Waschmaschinen für zwölf Wohnungen. An der Wand hing ein Plan, in den man seinen Namen eintragen sollte. Eigentlich war das einfach. Trotzdem gab es regelmäßig Ärger.

Anna hatte sich für Samstagvormittag eingetragen, weil sie unter der Woche keine Zeit hatte. Als sie mit ihrem Wäschekorb in den Keller kam, lief ihre Maschine schon. Auf dem Plan stand noch ihr Name, aber daneben hatte jemand mit Bleistift „kurz“ geschrieben. Anna sah auf die Uhr. Das Programm dauerte noch 58 Minuten.

Zuerst wollte sie die nasse Wäsche einfach herausnehmen. Dann stellte sie sich vor, wie wütend sie selbst wäre, wenn jemand das mit ihrer Kleidung machen würde. Also wartete sie. Nach einer Stunde kam Herr Krüger aus dem zweiten Stock. Er entschuldigte sich nicht, sondern sagte nur: „Ich musste dringend waschen.“

Anna war sauer, aber sie versuchte ruhig zu bleiben. „Ich verstehe das“, sagte sie, „aber ich hatte mich eingetragen. Ich brauche die Maschine auch.“ Herr Krüger seufzte. Dann erzählte er, dass seine Tochter krank sei und er schnell Bettwäsche waschen musste. Anna wurde etwas ruhiger, aber das Problem blieb.

Am nächsten Tag schlug Anna im Hauschat eine Lösung vor: Wer dringend außerhalb seiner Zeit waschen muss, schreibt vorher eine Nachricht. Außerdem sollte niemand einfach den Namen auf dem Plan verändern. Viele Nachbarn fanden die Idee gut.

Ein kleiner Waschplan hatte gezeigt, dass Regeln nicht nur auf Papier stehen sollten. Man muss auch miteinander reden, wenn der Alltag anders läuft als geplant.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Wie viele Waschmaschinen gibt es im Keller?
  2. Warum hat sich Anna für Samstagvormittag eingetragen?
  3. Was sieht Anna, als sie in den Keller kommt?
  4. Warum nimmt Anna die fremde Wäsche nicht heraus?
  5. Was sagt Herr Krüger zuerst?
  6. Warum musste Herr Krüger dringend waschen?
  7. Welche Lösung schlägt Anna im Hauschat vor?
  8. Was zeigt der Streit um die Waschmaschine?
TEXT 6

Ein Paket für Frau Berger

↑ Übersicht

Als Karim nach Hause kam, lag ein gelber Zettel in seinem Briefkasten. „Paket abgegeben bei Nachbarin Berger, 2. Stock.“ Karim kannte Frau Berger nur vom Sehen. Sie war eine ältere Dame, die langsam die Treppe hinunterging und immer freundlich nickte. Trotzdem hatte er noch nie richtig mit ihr gesprochen.

Er klingelte bei ihr, aber niemand öffnete. Am nächsten Tag versuchte er es wieder. Wieder nichts. Karim begann sich zu ärgern. In dem Paket waren Kopfhörer, die er dringend für einen Online-Kurs brauchte. Am dritten Tag traf er Frau Berger endlich im Treppenhaus. Sie sah erschöpft aus und trug eine Einkaufstasche, die viel zu schwer wirkte.

„Ihr Paket steht bei mir“, sagte sie sofort. „Entschuldigen Sie, ich war zwei Tage bei meiner Schwester. Sie ist krank.“ Karim schämte sich ein bisschen, weil er innerlich schon unfreundliche Sätze vorbereitet hatte. Er nahm ihr die Einkaufstasche ab und trug sie bis zur Wohnungstür.

In ihrer Wohnung gab sie ihm das Paket. Auf dem kleinen Tisch standen Medikamente und eine halbvolle Teetasse. Frau Berger bedankte sich mehrmals für die Hilfe. Karim sagte, dass es kein Problem sei, aber eigentlich hatte sich etwas verändert. Frau Berger war nicht mehr nur „die Nachbarin mit dem Paket“. Sie war ein Mensch mit eigenen Sorgen.

Eine Woche später klingelte Karim bei ihr, bevor er einkaufen ging. „Brauchen Sie etwas aus dem Supermarkt?“ fragte er. Frau Berger lächelte überrascht. Manchmal beginnt Nachbarschaft mit einem Paket, das man viel zu spät abholt.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Was steht auf dem Zettel in Karims Briefkasten?
  2. Warum braucht Karim das Paket dringend?
  3. Warum öffnet Frau Berger zwei Tage lang nicht?
  4. Wie sieht Frau Berger aus, als Karim sie trifft?
  5. Warum schämt sich Karim ein bisschen?
  6. Wie hilft Karim Frau Berger im Treppenhaus?
  7. Was versteht Karim in ihrer Wohnung?
  8. Was fragt Karim Frau Berger eine Woche später?
TEXT 7

Die kaputte Heizung

↑ Übersicht

Im Januar wurde es in Marios Wohnung plötzlich kalt. Zuerst dachte er, er hätte die Heizung falsch eingestellt. Er drehte den Regler höher, wartete eine Stunde und legte eine Decke über die Schultern. Doch der Heizkörper blieb kalt.

Mario wohnte erst seit drei Monaten in der Wohnung und wollte nicht sofort ungeduldig wirken. Deshalb schrieb er dem Vermieter eine höfliche Nachricht. Am nächsten Tag kam keine Antwort. Am übernächsten Tag auch nicht. Inzwischen schlief Mario mit zwei Pullovern und warmen Socken.

Im Treppenhaus traf er seine Nachbarin Frau Nguyen. Sie fragte: „Ist es bei Ihnen auch so kalt?“ Mario war überrascht. Auch ihre Heizung funktionierte nicht richtig. Gemeinsam klingelten sie bei zwei weiteren Nachbarn. Schnell wurde klar: Das Problem betraf fast das ganze Haus.

Frau Nguyen schlug vor, eine gemeinsame Nachricht an die Hausverwaltung zu schreiben. Mario formulierte den Text höflich, aber deutlich. Alle betroffenen Nachbarn unterschrieben digital. Diesmal kam nach zwei Stunden eine Antwort: Am nächsten Morgen sollte ein Techniker kommen.

Der Techniker fand einen Schaden im Heizungssystem. Die Reparatur dauerte einen halben Tag. Am Abend wurde Marios Wohnung endlich wieder warm. Er war erleichtert, aber auch nachdenklich. Allein hätte er vielleicht noch länger gewartet. Zusammen hatten die Nachbarn schneller eine Lösung gefunden.

Seitdem grüßt Mario im Treppenhaus nicht mehr nur kurz. Man weiß nie, wann aus Nachbarn plötzlich Verbündete werden.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Wann wird es in Marios Wohnung kalt?
  2. Was versucht Mario zuerst?
  3. Warum schreibt er dem Vermieter höflich?
  4. Was erfährt Mario von Frau Nguyen?
  5. Was stellen die Nachbarn gemeinsam fest?
  6. Was schlagen Frau Nguyen und Mario vor?
  7. Was findet der Techniker?
  8. Was lernt Mario aus der Situation?
TEXT 8

Hausordnung ist nicht nur Papier

↑ Übersicht

Nina hatte die Hausordnung beim Einzug unterschrieben, aber ehrlich gesagt kaum gelesen. Sie wusste nur: Nach 22 Uhr sollte man leise sein, Müll musste getrennt werden, und Fahrräder durften nicht im Flur stehen. Das klang für sie selbstverständlich.

Ein paar Wochen später stellte sie ihr Fahrrad trotzdem kurz im Treppenhaus ab. Es regnete stark, sie hatte nasse Schuhe und wollte nur schnell die Einkaufstaschen nach oben bringen. „Ich hole es gleich“, sagte sie zu sich selbst. Dann klingelte das Telefon, später kochte sie, und am Ende vergaß sie das Fahrrad.

Am nächsten Morgen hing ein Zettel am Lenker: „Bitte Fluchtwege freihalten!“ Nina ärgerte sich zuerst. Der Ton kam ihr streng vor. Doch dann sah sie, wie eng das Treppenhaus war. Wenn jemand mit Kinderwagen oder im Notfall schnell vorbei musste, wäre ihr Fahrrad wirklich im Weg.

Am Abend traf sie Herrn Stein aus dem Erdgeschoss. Er hatte den Zettel geschrieben. Nina wollte sich verteidigen, aber Herr Stein sagte ruhig: „Ich weiß, dass es wahrscheinlich nur kurz war. Aber genau aus solchen kurzen Momenten entstehen oft Probleme.“

Nina entschuldigte sich und brachte das Fahrrad in den Keller. Danach las sie die Hausordnung noch einmal richtig. Plötzlich war sie nicht mehr nur ein Blatt mit Regeln. Sie verstand, dass viele Regeln nicht dazu da sind, jemanden zu ärgern. Sie sollen das Zusammenleben einfacher und sicherer machen.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Was wusste Nina über die Hausordnung?
  2. Warum stellt sie ihr Fahrrad im Treppenhaus ab?
  3. Warum vergisst sie das Fahrrad?
  4. Was steht auf dem Zettel am Fahrrad?
  5. Warum ändert Nina ihre Meinung über den Zettel?
  6. Wer hat den Zettel geschrieben?
  7. Was sagt Herr Stein über „kurze Momente“?
  8. Was versteht Nina am Ende über Hausordnungen?
TEXT 9

Der Balkon über dem Hof

↑ Übersicht

Als Eva die Wohnung besichtigte, verliebte sie sich sofort in den Balkon. Er war nicht groß, aber er ging zum Innenhof hinaus. Dort standen alte Bäume, ein Fahrradständer und ein kleiner Sandkasten. „Hier kann ich morgens Kaffee trinken“, dachte Eva.

Im Sommer wurde der Balkon wirklich ihr Lieblingsort. Sie stellte zwei Pflanzen hin, kaufte einen kleinen Klapptisch und las dort am Abend. Doch nach ein paar Wochen bemerkte sie, dass der Hof lauter war, als sie gedacht hatte. Kinder spielten, jemand telefonierte lange am Fenster, und manchmal roch es nach Grill.

Zuerst störte Eva das. Sie hatte sich einen ruhigen Rückzugsort vorgestellt. Stattdessen hörte sie Gespräche, Gelächter und das Klappern von Fahrrädern. Einmal wollte sie gerade ein Buch lesen, als ein Ball gegen die Hauswand flog. Eva schloss genervt die Balkontür.

Am nächsten Tag traf sie im Hof einen kleinen Jungen, der sich schüchtern entschuldigte. „Der Ball war von mir“, sagte er. Neben ihm stand seine Mutter und erklärte, dass sie erst vor Kurzem eingezogen waren. Eva musste lachen, weil sie selbst auch neu war.

Mit der Zeit veränderte sich ihr Blick. Der Hof war nicht perfekt ruhig, aber lebendig. Sie lernte die Stimmen der Nachbarn kennen, sah Kinder wachsen und bekam manchmal Basilikum von der Frau aus dem Erdgeschoss. Der Balkon blieb ihr Lieblingsort. Nicht, weil er still war, sondern weil er sie mit dem Haus verband.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Warum gefällt Eva der Balkon bei der Besichtigung sofort?
  2. Was stellt Eva im Sommer auf den Balkon?
  3. Warum ist der Hof lauter, als sie erwartet hatte?
  4. Was passiert, als Eva lesen möchte?
  5. Wer entschuldigt sich am nächsten Tag?
  6. Warum muss Eva lachen?
  7. Wie verändert sich Evas Blick auf den Hof?
  8. Warum bleibt der Balkon ihr Lieblingsort?
TEXT 10

Als das ganze Haus zusammenkam

↑ Übersicht

Im Haus Nummer 18 kannte man sich kaum. Die meisten Bewohner grüßten kurz im Treppenhaus und verschwanden dann hinter ihren Türen. Jeder hatte seinen Alltag, seine Arbeit, seine Probleme. Man wohnte nebeneinander, aber nicht wirklich miteinander.

Das änderte sich an einem Samstag im Herbst. Im Innenhof stand plötzlich Wasser. Erst war es nur eine kleine Pfütze, dann wurde daraus ein richtiger Bach, der aus einer Kellertür kam. Herr Stein aus dem Erdgeschoss rief: „Da stimmt etwas nicht!“ Wenige Minuten später standen fast alle Nachbarn im Hof.

Jemand holte Eimer, jemand suchte die Nummer des Notdienstes, jemand brachte alte Handtücher. Karim aus dem zweiten Stock trug Kisten aus dem Keller, Frau Berger hielt die Haustür offen, und zwei Jugendliche halfen, Fahrräder in Sicherheit zu bringen. Niemand hatte vorher geplant, zusammenzuarbeiten. Trotzdem funktionierte es.

Nach einer Stunde kam der Notdienst. Ein Rohr war beschädigt, aber der größte Schaden konnte verhindert werden. Alle waren müde, nass und ein bisschen schmutzig. Doch im Hof lachten plötzlich Menschen miteinander, die sich vorher kaum angesehen hatten.

Am Abend stellte jemand einen Tisch in den Hof. Es gab Tee, Kekse und ein paar Stühle. Aus einem Wasserschaden wurde kein Fest, aber ein Anfang. Eine Woche später hing im Treppenhaus eine Liste: „Hausabend im Hof – wer bringt etwas mit?“

Seit diesem Samstag grüßen sich die Bewohner anders. Nicht nur höflich, sondern wirklich. Manchmal braucht ein Haus ein gemeinsames Problem, um zu merken, dass es auch eine Gemeinschaft sein kann.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Wie war das Verhältnis der Bewohner früher?
  2. Was passiert an einem Samstag im Herbst?
  3. Wer ruft, dass etwas nicht stimmt?
  4. Welche Dinge tun die Nachbarn gemeinsam?
  5. Was stellt der Notdienst fest?
  6. Warum lachen die Nachbarn nach der Arbeit miteinander?
  7. Was hängt eine Woche später im Treppenhaus?
  8. Was zeigt das gemeinsame Problem den Bewohnern?
ABSCHLUSSTEST

Was hast du aus allen zehn Texten verstanden?

Wähle jeweils eine Antwort. Danach erhältst du dein Ergebnis und siehst, welche Antworten richtig waren.

01Was erkennt Selin in ihrer ersten eigenen Wohnung?
02Warum müssen Jonas und Amir beim Umzug zweimal fahren?
03Welches Ereignis bringt die Nachbarn in Text 3 miteinander ins Gespräch?
04Warum funktioniert Leas Gespräch mit David besser als der geplante Zettel?
05Welche neue Lösung entsteht nach dem Streit um die Waschmaschine?
06Warum war Frau Berger zwei Tage lang nicht zu Hause?
07Warum reagiert die Hausverwaltung auf die Heizung später schneller?
08Warum darf Ninas Fahrrad nicht im Treppenhaus stehen?
09Warum bleibt der Balkon Evas Lieblingsort?
10Was verändert das Verhältnis der Bewohner im Haus Nummer 18?
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