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B1: Leselektüre: Gesellschaft und Engagement

B1 LESETRAINING

Gesellschaft und Engagement

Lebensnahe Lesetexte für Deutschlernende – mit Fotos, individuellen Lesebegleitern, Verständnisfragen, Lösungen und einem Abschlusstest.

B1 LESEN & VERSTEHEN

Zehn Geschichten über Ehrenamt, Sprachcafés, Nachbarschaft, Vereine, Bürgerinitiativen, Spenden, Teilhabe und gemeinsame Verantwortung.

10 Lesetexte 10 Lesebegleiter 80 Textfragen 10 Abschlussfragen
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TEXT 1

Der erste Tag im Ehrenamt

↑ Übersicht

Als Jonas zum ersten Mal zur Tafel ging, war er nervös. Er hatte sich freiwillig gemeldet, weil er „etwas Sinnvolles“ tun wollte. Aber vor der Tür fragte er sich, ob er überhaupt helfen konnte. Er kannte niemanden, wusste nicht, wie alles funktionierte, und hatte Angst, im Weg zu stehen.

Drinnen war es lauter, als er erwartet hatte. Menschen sortierten Brot, Gemüse, Milchprodukte und Kisten mit Lebensmitteln. Eine ältere Freiwillige namens Gisela begrüßte ihn freundlich und drückte ihm sofort Handschuhe in die Hand. „Keine Sorge“, sagte sie. „Am ersten Tag muss man nicht alles wissen.“

Jonas begann mit einer einfachen Aufgabe: Er sollte Äpfel prüfen und schlechte aussortieren. Zuerst kam ihm das zu klein vor. Er hatte sich Engagement irgendwie größer vorgestellt. Nach einer Stunde verstand er aber, warum diese Arbeit wichtig war. Wer Lebensmittel bekam, sollte gute Ware bekommen und nicht das Gefühl haben, nur Reste zu erhalten.

Später half Jonas bei der Ausgabe. Eine Frau bedankte sich für eine Tüte mit Brot und Gemüse. Jonas wusste nicht, was er sagen sollte. Es fühlte sich seltsam an, Dank für etwas zu bekommen, das ihm selbst nicht schwerfiel.

Am Abend war Jonas müde, aber ruhig. Er hatte keine Welt verändert. Er hatte Äpfel sortiert, Kisten getragen und zugehört. Trotzdem ging er mit dem Gefühl nach Hause, Teil von etwas zu sein. Engagement begann für ihn nicht mit großen Reden, sondern mit einer Aufgabe, die jemand einfach übernimmt.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Warum ist Jonas vor seinem ersten Tag bei der Tafel nervös?
  2. Warum hat Jonas sich freiwillig gemeldet?
  3. Wer begrüßt Jonas bei der Tafel?
  4. Welche erste Aufgabe bekommt Jonas?
  5. Warum findet Jonas die Aufgabe zuerst zu klein?
  6. Was versteht Jonas nach einer Stunde?
  7. Wie reagiert eine Frau bei der Ausgabe?
  8. Was lernt Jonas am Ende über Engagement?
TEXT 2

Das Sprachcafé am Mittwoch

↑ Übersicht

Im Stadtteilzentrum gab es jeden Mittwoch ein Sprachcafé. Menschen, die Deutsch lernten, konnten dort mit Freiwilligen sprechen, Tee trinken und Fragen stellen. Lena hatte den Aushang oft gesehen, aber nie darüber nachgedacht. Sie war keine Lehrerin. Was sollte sie dort schon beitragen?

Eine Kollegin überredete sie schließlich mitzukommen. „Du musst keinen Unterricht geben“, sagte sie. „Du musst nur normal sprechen.“ Genau das machte Lena unsicher. Normal sprechen klingt leicht, aber sie hatte Angst, zu schnell, zu kompliziert oder ungeduldig zu sein.

Beim ersten Treffen saß Lena neben Farid, der seit sechs Monaten in der Stadt lebte. Er wollte üben, beim Arzt einen Termin zu machen. Lena spielte mit ihm ein Telefongespräch. Zuerst lachten sie, weil beide sich versprachen. Dann wurde Farid sicherer. Er schrieb sich wichtige Sätze auf und sagte: „Jetzt traue ich mich eher.“

Lena war überrascht. Sie hatte keine Grammatik erklärt und keine Übung vorbereitet. Trotzdem hatte sie geholfen. Später sprach sie mit einer Frau über Buslinien, mit einem Studenten über Wohnungsanzeigen und mit einem älteren Mann über das Wetter. Es waren einfache Gespräche. Aber gerade diese Gespräche fehlten vielen im Alltag.

Nach einigen Wochen wurde das Sprachcafé für Lena zu einem festen Termin. Sie lernte Menschen kennen, die sie sonst nie getroffen hätte. Dabei verstand sie: Integration passiert nicht nur in Formularen und Kursen. Sie passiert auch an kleinen Tischen, mit Tee, Geduld und echten Fragen.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Was kann man im Sprachcafé machen?
  2. Warum denkt Lena zuerst, dass sie dort nicht helfen kann?
  3. Was sagt ihre Kollegin über ihre Aufgabe?
  4. Wovor hat Lena Angst?
  5. Was übt Lena mit Farid?
  6. Warum fühlt sich Farid nach dem Gespräch sicherer?
  7. Mit welchen Menschen spricht Lena später?
  8. Was versteht Lena über Integration?
TEXT 3

Die Bank vor dem Haus

↑ Übersicht

Vor dem Haus in der Lindenstraße stand früher eine alte Holzbank. Niemand wusste genau, wer sie dorthin gestellt hatte. Aber alle nutzten sie: ältere Nachbarn machten dort Pause, Paketboten stellten kurz Taschen ab, und manchmal saßen zwei Bewohner am Abend dort und sprachen über den Tag.

Eines Morgens war die Bank weg. Stattdessen lag ein Zettel im Hausflur: „Aus Sicherheitsgründen entfernt.“ Viele Bewohner ärgerten sich, aber niemand fühlte sich zuständig. Nur Frau Aydin aus dem ersten Stock sagte: „Dann müssen wir eben eine neue Lösung finden.“

Sie schrieb eine Nachricht in die Hausgruppe und schlug ein Treffen im Hof vor. Zuerst kamen nur fünf Personen. Einige fanden, eine Bank sei nicht wichtig. Andere meinten, man solle sich nicht mit der Hausverwaltung streiten. Frau Aydin hörte zu und fragte dann: „Wer braucht diese Bank eigentlich?“

Da meldete sich Herr Scholz. Er erklärte, dass er auf dem Weg vom Supermarkt oft eine Pause brauche. Eine junge Mutter sagte, dass sie dort manchmal auf ihre Nachbarin warte. Ein Paketbote erzählte, dass die Bank auch für ihn praktisch gewesen sei.

Die Gruppe schrieb der Hausverwaltung einen freundlichen Brief. Sie schlugen eine stabile Bank an einer besseren Stelle vor, damit niemand den Eingang blockierte. Zwei Wochen später kam die Erlaubnis.

Als die neue Bank stand, wirkte der Hof nicht plötzlich perfekt. Aber er war wieder ein Ort, an dem Menschen kurz bleiben konnten. Frau Aydin lächelte. Manchmal beginnt Nachbarschaft nicht mit großen Festen, sondern mit einer Sitzgelegenheit.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Was stand früher vor dem Haus in der Lindenstraße?
  2. Wer nutzte die alte Bank?
  3. Warum ist die Bank plötzlich weg?
  4. Was schlägt Frau Aydin vor?
  5. Warum finden manche Bewohner die Bank zuerst nicht wichtig?
  6. Was erzählt Herr Scholz?
  7. Welche Lösung schlägt die Gruppe der Hausverwaltung vor?
  8. Was zeigt die neue Bank am Ende?
TEXT 4

Der Verein braucht neue Hände

↑ Übersicht

Der kleine Sportverein im Viertel existierte seit fast vierzig Jahren. Kinder hatten dort früher Fußball gespielt, Erwachsene machten Gymnastik, und im Sommer gab es ein gemeinsames Grillfest. Doch in den letzten Jahren wurde es schwieriger. Es gab weniger Helfer, weniger Geld und immer mehr Aufgaben.

Max war seit einem Jahr Mitglied, aber er kam meistens nur zum Training. Nach dem Sport ging er direkt nach Hause. Auf der Mitgliederversammlung hörte er zum ersten Mal genauer zu. Die Vorsitzende sagte: „Wenn wir niemanden finden, der bei Organisation und Kommunikation hilft, müssen wir Angebote streichen.“

Max fühlte sich unwohl. Er mochte den Verein, aber er wollte sich nicht zu viel aufladen. Neben Arbeit und Alltag hatte er wenig Energie. Trotzdem meldete er sich nach der Versammlung bei der Vorsitzenden. „Ich kann nicht alles machen“, sagte er. „Aber vielleicht die E-Mails oder die Termine.“

Die Vorsitzende lächelte erleichtert. Genau das brauche der Verein. Max bekam keine riesige Aufgabe, sondern eine klare: Er sollte einmal pro Woche Nachrichten beantworten und den Kalender aktualisieren. Am Anfang dauerte es länger, als er dachte. Aber nach kurzer Zeit wurde es Routine.

Einige Wochen später meldeten sich zwei weitere Mitglieder, weil sie sahen, dass Engagement nicht bedeuten muss, sein ganzes Leben dem Verein zu geben. Einer half beim Grillfest, eine andere übernahm die Materialliste.

Max verstand: Ein Verein lebt nicht nur von Beiträgen und Training. Er lebt von Menschen, die eine Aufgabe übernehmen, auch wenn sie klein ist. Neue Hände müssen nicht alles tragen. Aber ohne Hände bewegt sich nichts.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Wie lange gibt es den Sportverein schon?
  2. Welche Probleme hat der Verein in den letzten Jahren?
  3. Wie verhält sich Max zuerst als Mitglied?
  4. Was sagt die Vorsitzende auf der Versammlung?
  5. Warum fühlt sich Max unwohl?
  6. Welche Aufgabe übernimmt Max?
  7. Was passiert einige Wochen später?
  8. Was versteht Max über Vereine?
TEXT 5

Der Zebrastreifen vor dem Supermarkt

↑ Übersicht

Vor dem Supermarkt in Annas Viertel mussten alle eine breite Straße überqueren. Es gab eine Bushaltestelle, einen Bäcker und viele ältere Menschen, die mit Einkaufstaschen unterwegs waren. Trotzdem gab es keinen Zebrastreifen. Die Autos fuhren oft zu schnell.

Anna ärgerte sich jedes Mal, wenn sie dort stand. Einmal sah sie, wie ein älterer Mann mitten auf der Straße unsicher stehen blieb, weil von beiden Seiten Autos kamen. Niemand wurde verletzt, aber Anna dachte: Es muss doch nicht erst etwas passieren.

Sie schrieb eine Nachricht in die Nachbarschaftsgruppe. Viele reagierten sofort. Einige sagten, sie hätten sich dort auch schon unsicher gefühlt. Andere meinten, die Stadt werde sowieso nichts ändern. Anna wollte es trotzdem versuchen.

Sie sammelte Unterschriften, fotografierte die Situation und schrieb eine kurze Beschreibung. Dann ging sie zur Bürgersprechstunde im Rathaus. Dort war sie nervöser, als sie erwartet hatte. Der Mitarbeiter hörte freundlich zu, sagte aber, dass alles geprüft werden müsse.

Monate vergingen. Anna hatte fast aufgegeben. Dann bekam sie eine E-Mail: Die Stadt wolle die Stelle neu bewerten. Einige Wochen später wurde tatsächlich ein Zebrastreifen markiert. Es war kein riesiger politischer Erfolg. Aber im Viertel sprachen viele darüber.

Als Anna später den älteren Mann wieder sah, überquerte er die Straße langsamer, aber sicherer. Anna merkte: Gesellschaft verändert sich nicht nur durch große Entscheidungen. Manchmal beginnt sie mit jemandem, der sagt: Diese Stelle ist gefährlich, und ich kümmere mich darum.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Warum ist die Straße vor dem Supermarkt problematisch?
  2. Was beobachtet Anna einmal auf der Straße?
  3. Was schreibt Anna in die Nachbarschaftsgruppe?
  4. Wie reagieren die Nachbarn?
  5. Was sammelt Anna für ihren Vorschlag?
  6. Wohin geht Anna mit ihrem Anliegen?
  7. Was passiert nach einigen Monaten?
  8. Was versteht Anna am Ende über gesellschaftliche Veränderung?
TEXT 6

Kuchen für den guten Zweck

↑ Übersicht

Als im Büro eine Spendenaktion für ein soziales Projekt geplant wurde, war Mira zuerst skeptisch. Auf dem Aushang stand, dass Kuchen verkauft werden sollte. Mira dachte: Kuchen essen und dabei die Welt retten — das klingt zu einfach. Außerdem hatte sie keine Lust, nach der Arbeit noch zu backen.

Ihre Kollegin Samira sah das anders. „Es geht nicht darum, perfekt zu helfen“, sagte sie. „Es geht darum, dass viele Menschen etwas Kleines beitragen.“ Mira brachte am Ende keinen Kuchen mit, aber sie bot an, am Verkaufstisch zu helfen.

Am Freitag standen im Pausenraum zehn Kuchen, Muffins und ein großer Topf Kaffee. Anfangs kamen nur wenige Kollegen. Dann erzählte Samira kurz, wofür gesammelt wurde: Das Geld sollte einem Nachbarschaftsprojekt helfen, das kostenlose Lernhilfe für Erwachsene anbot.

Plötzlich blieben mehr Menschen stehen. Einige spendeten mehr, als ein Stück Kuchen kostete. Ein Kollege erzählte, dass seine Mutter früher selbst Schwierigkeiten mit Formularen gehabt habe. Eine andere Kollegin fragte, ob man dort auch freiwillig mithelfen könne.

Mira schnitt Kuchen, gab Wechselgeld heraus und beantwortete Fragen. Nach zwei Stunden war fast alles verkauft. Die Summe war nicht riesig, aber höher als erwartet. Mira war überrascht, wie viele Gespräche durch so eine kleine Aktion entstanden waren.

Am Abend sagte sie zu Samira: „Vielleicht war der Kuchen nur der Anfang.“ Samira nickte. Manchmal braucht Engagement keinen großen Plan. Manchmal braucht es einen Tisch, ein Stück Kuchen und einen Grund, miteinander zu sprechen.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Warum ist Mira am Anfang skeptisch?
  2. Was sagt Samira über Hilfe?
  3. Was bietet Mira schließlich an?
  4. Wofür wird bei der Aktion Geld gesammelt?
  5. Warum bleiben später mehr Menschen stehen?
  6. Was erzählt ein Kollege?
  7. Was macht Mira am Verkaufstisch?
  8. Was erkennt Mira am Ende über die Aktion?
TEXT 7

Ein Nachmittag im Seniorenheim

↑ Übersicht

Tobias besuchte das Seniorenheim zum ersten Mal mit einem mulmigen Gefühl. Seine Firma hatte einen sozialen Tag organisiert, und alle konnten sich für verschiedene Projekte anmelden. Tobias wählte das Seniorenheim, weil es in seiner Nähe lag. Wirklich vorbereitet fühlte er sich nicht.

Im Gemeinschaftsraum saßen mehrere ältere Menschen an kleinen Tischen. Einige spielten Karten, andere sahen aus dem Fenster. Eine Pflegekraft erklärte, dass Tobias einfach Gespräche anbieten könne. „Viele freuen sich, wenn jemand Zeit hat“, sagte sie.

Tobias setzte sich zu Herrn Winter, der zuerst kaum etwas sagte. Tobias stellte Fragen über das Viertel, über Musik, über früher. Nach einer Weile begann Herr Winter zu erzählen. Er war früher Straßenbahnfahrer gewesen und kannte fast jede Haltestelle der Stadt. Seine Geschichten waren so genau, dass Tobias die Straßen vor sich sah.

Nach einer Stunde fragte Herr Winter: „Kommen Sie nächste Woche wieder?“ Tobias war überrascht. Er hatte gedacht, ein Nachmittag sei nur eine nette Aktion. Für Herrn Winter war es vielleicht mehr: ein Gespräch, auf das man warten konnte.

Tobias kam tatsächlich wieder. Nicht jede Woche, aber regelmäßig. Manchmal brachte er alte Stadtfotos mit, manchmal hörten sie Musik. Er merkte, dass Helfen nicht immer bedeutet, ein Problem zu lösen. Manchmal bedeutet es, da zu sein.

Der soziale Tag war längst vorbei. Für Tobias aber hatte etwas begonnen. Er hatte gelernt, dass Zeit eine Spende sein kann — und manchmal eine sehr wertvolle.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Warum geht Tobias ins Seniorenheim?
  2. Warum fühlt er sich zuerst unsicher?
  3. Was erklärt die Pflegekraft Tobias?
  4. Mit wem setzt Tobias sich zusammen?
  5. Worüber erzählt Herr Winter?
  6. Warum überrascht Herrn Winters Frage Tobias?
  7. Was macht Tobias später regelmäßig?
  8. Was lernt Tobias über Hilfe und Zeit?
TEXT 8

Wenn nicht alle mitreden können

↑ Übersicht

Im Kulturzentrum fand einmal im Monat ein Bürgerforum statt. Dort konnten Bewohner Vorschläge für den Stadtteil machen: mehr Licht im Park, bessere Busverbindungen, neue Bänke oder Veranstaltungen. Daniel ging gern hin, weil er das Gefühl hatte, dass man dort wirklich etwas bewegen konnte.

Eines Abends saß neben ihm eine Frau im Rollstuhl. Sie hieß Katrin und meldete sich, als über ein neues Nachbarschaftsfest gesprochen wurde. „Der letzte Veranstaltungsraum war für mich schwer erreichbar“, sagte sie. „Die Rampe war zu steil, und die Toiletten waren nicht barrierefrei.“

Im Raum wurde es kurz still. Einige sahen überrascht aus. Daniel merkte, dass er darüber nie nachgedacht hatte. Für ihn war ein Eingang einfach ein Eingang gewesen. Für Katrin konnte er entscheiden, ob sie teilnehmen konnte oder nicht.

Der Organisator sagte zuerst, dass der andere Raum billiger sei. Katrin antwortete ruhig: „Billig hilft nicht, wenn manche Menschen draußen bleiben.“ Dieser Satz blieb Daniel im Kopf. Er schlug vor, eine Liste mit barrierefreien Orten im Stadtteil zu erstellen.

In den nächsten Wochen halfen mehrere Freiwillige mit. Sie prüften Eingänge, Toiletten, Wege und Aufzüge. Die Liste wurde später auf der Webseite des Kulturzentrums veröffentlicht.

Daniel verstand: Teilhabe passiert nicht automatisch. Man muss sie mitdenken. Eine Gesellschaft ist nicht offen, nur weil sie sagt, dass alle willkommen sind. Sie ist offen, wenn Menschen auch wirklich hineinkommen können.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Was können Bewohner im Bürgerforum machen?
  2. Warum geht Daniel gern zum Bürgerforum?
  3. Was erzählt Katrin über den letzten Veranstaltungsraum?
  4. Warum wird es im Raum kurz still?
  5. Was bedeutet ein Eingang für Katrin?
  6. Welchen Satz sagt Katrin über den billigen Raum?
  7. Welchen Vorschlag macht Daniel?
  8. Was versteht Daniel über Teilhabe?
TEXT 9

Die Spendenkiste im Büro

↑ Übersicht

Im Büro von Julia stand plötzlich eine große Kiste neben der Kaffeemaschine. Darauf lag ein Zettel: „Sachspenden für das Übergangswohnheim gesucht.“ Julia las die Liste: warme Socken, Hygieneartikel, haltbare Lebensmittel, Schreibwaren. Sie nahm sich vor, später etwas mitzubringen. Dann vergaß sie es.

Am nächsten Tag war die Kiste fast leer. Julia dachte: Offenbar vergessen es die anderen auch. In der Mittagspause sprach sie mit ihrem Kollegen Mehmet darüber. Er sagte: „Vielleicht braucht es jemanden, der es einfach organisiert.“ Julia wollte zuerst widersprechen. Sie hatte genug eigene Aufgaben.

Trotzdem schrieb sie eine kurze Nachricht an das Team. Sie erinnerte an die Kiste und schlug vor, dass jeder nur eine Kleinigkeit mitbringen könne. Außerdem stellte sie die Liste in den Gruppenchat. Am nächsten Morgen lagen die ersten Dinge in der Kiste.

Ein Kollege brachte fünf Paar Socken. Eine Kollegin kaufte Zahnpasta und Seife. Mehmet brachte Notizbücher. Jemand schrieb dazu, dass er nicht gewusst hatte, was gebraucht wurde. Die klare Liste half.

Nach einer Woche war die Kiste voll. Julia brachte die Spenden gemeinsam mit Mehmet zum Wohnheim. Dort erklärte eine Mitarbeiterin, dass gerade kleine, praktische Dinge oft fehlten. Julia fühlte sich ein bisschen beschämt, weil sie zuerst nur hatte „später“ denken wollen.

Zurück im Büro blieb die Kiste nicht stehen. Aber Julia änderte etwas: Wenn sie jetzt eine Hilfsaktion sieht, fragt sie nicht nur, ob jemand etwas tun sollte. Sie fragt sich, ob sie vielleicht die Person sein kann, die den ersten Schritt organisiert.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Wo steht die Spendenkiste im Büro?
  2. Welche Dinge werden gesucht?
  3. Warum bringt Julia zuerst nichts mit?
  4. Was sagt Mehmet in der Mittagspause?
  5. Was schreibt Julia an das Team?
  6. Warum hilft die klare Liste?
  7. Was erklärt die Mitarbeiterin im Wohnheim?
  8. Was verändert Julia nach dieser Erfahrung?
TEXT 10

Nicht nur zuschauen

↑ Übersicht

Marco beschwerte sich gern. Über den kaputten Fahrradweg, über den Müll am Bahnhof, über schlechte Busverbindungen und darüber, dass „die da oben“ nie zuhörten. Seine Freunde kannten diese Sätze schon. Eines Abends sagte seine Freundin Alina: „Dann geh doch zum Bürgerforum.“

Marco lachte zuerst. Er stellte sich einen langweiligen Raum mit komplizierten Formularen vor. Außerdem hatte er keine Lust, vor fremden Menschen zu sprechen. Alina blieb ruhig. „Du musst nicht sofort eine Rede halten. Du kannst auch erst einmal zuhören.“

Eine Woche später ging Marco tatsächlich hin. Im Raum saßen etwa dreißig Menschen: ältere Nachbarn, junge Erwachsene, Ladenbesitzer, eine Vertreterin der Stadt und mehrere Freiwillige. Es ging um Verkehr, Sauberkeit und neue Treffpunkte im Viertel.

Marco hörte zu und merkte, dass vieles komplizierter war, als er gedacht hatte. Ein neuer Busplan hing mit Geld, Personal und anderen Linien zusammen. Ein sauberer Bahnhof brauchte nicht nur mehr Reinigung, sondern auch mehr Mülleimer und Rücksicht der Menschen.

Als über den Fahrradweg gesprochen wurde, meldete Marco sich. Seine Stimme klang unsicher, aber er erklärte, wo die gefährliche Stelle war. Zwei andere nickten sofort. Am Ende wurde eine kleine Arbeitsgruppe gebildet, und Marco schrieb seine E-Mail-Adresse auf.

Auf dem Heimweg beschwerte er sich nicht. Er war noch nicht sicher, ob sich wirklich etwas ändern würde. Aber er hatte einen Unterschied gespürt: Zuschauen macht müde. Mitreden macht nicht sofort alles besser, aber es macht Verantwortung konkreter.

Fragen zum Text

8 Fragen
  1. Worüber beschwert sich Marco oft?
  2. Was schlägt Alina ihm vor?
  3. Warum möchte Marco zuerst nicht zum Bürgerforum gehen?
  4. Wer sitzt im Bürgerforum?
  5. Welche Themen werden dort besprochen?
  6. Was merkt Marco beim Zuhören?
  7. Wozu meldet Marco sich schließlich?
  8. Was versteht Marco am Ende über Zuschauen und Mitreden?
ABSCHLUSSTEST

Was hast du aus allen zehn Texten verstanden?

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01Was erkennt Jonas an seinem ersten Tag bei der Tafel?
02Warum wird das Sprachcafé für Lena wichtig?
03Wie erreicht die Hausgemeinschaft eine neue Bank?
04Was zeigt Max’ Beispiel über Engagement im Verein?
05Welche Schritte führen zum neuen Zebrastreifen?
06Was bewirkt die Kuchenaktion zusätzlich zur Geldspende?
07Was lernt Tobias im Seniorenheim?
08Was versteht Daniel durch Katrins Beitrag?
09Warum füllt sich die Spendenkiste nach Julias Nachricht?
10Was verändert sich bei Marco nach dem Bürgerforum?
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