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Germannika
B2.2

Angst ernst nehmen ohne Tatsachen zu behaupten · Vorsorge bei unbewiesener Gefahr · Vom freundlichen Versprechen zum Zwang

ANGST, VORSORGE UND MANIPULATIVE KOMMUNIKATION1 Begleitmaterial3 Aufgaben

Begleitmaterial

Begleitmaterial · Video

Erlkönig

Arbeitsauftrag
Sieh dir das Musikvideo vollständig an und lies anschließend den Balladentext. Achte darauf, wie Vater und Sohn dieselben Situationen unterschiedlich wahrnehmen und wie sich die Sprache des Erlkönigs von verlockenden Versprechen zu offener Gewalt verändert. Untersuche besonders die wiederholten Warnungen des Kindes, die rationalen Erklärungen des Vaters und die zunehmende Dringlichkeit der Bedrohung. Wähle danach eine der drei Schreibaufgaben.
Goethes Ballade schildert einen Vater, der mit seinem Kind durch Nacht und Wind reitet. Der Sohn nimmt den Erlkönig und dessen Töchter als konkrete Bedrohung wahr, während der Vater Nebel, Wind und alte Weiden als natürliche Erklärungen anbietet. Der Erlkönig lockt zunächst mit Spielen, Blumen, schönen Gewändern, Tanz und Fürsorge. Als das Kind nicht folgt, geht seine Sprache in eine offene Gewaltandrohung über. Der Ausgang bleibt tragisch, ohne eindeutig festzulegen, ob die Gestalt real, eingebildet, krankheitsbedingt oder symbolisch zu verstehen ist. Daraus entstehen Fragen nach dem Ernstnehmen von Angst, nach vorsorglichem Handeln unter Unsicherheit und nach dem Übergang von freundlicher Einladung zu Manipulation und Zwang.
AKTE FREIGEGEBENBalladentext: ErlkönigErst nach dem Hören oder Sehen öffnen.FREIGEGEBEN
AKTE · TRANSKRIPTFREIGEGEBEN
Erlkönig
Nach der Ballade von Johann Wolfgang von Goethe

Strophe 1
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Strophe 2
„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“
„Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?“
„Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.“

Strophe 3
„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Strophe 4
„Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?“
„Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind.“

Strophe 5
„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

Strophe 6
„Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?“
„Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.“

Strophe 7
„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“
„Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!“

Strophe 8
Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.
Quelle & Rechte anzeigen
Johann Wolfgang von Goethe, Originalballade; Germannika, Textbearbeitung, musikalische Interpretation, Vertonung, Aufnahme und Video · „Erlkönig“ · YouTube-Kanal Germannika / Wikisource
Abruf: 31.07.2026
„Erlkönig“ – musikalische Interpretation und Textbearbeitung nach der gemeinfreien Ballade von Johann Wolfgang von Goethe. Bearbeitung, Vertonung, Aufnahme und Video: Germannika.
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