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Germannika
A2.2
Wenn ein tägliches Zeichen fehlt – Soll man nachfragen oder sich nicht einmischen?
NACHBARSCHAFT, AUFMERKSAMKEIT UND HILFE1 Begleitmaterial1 Aufgabe
Begleitmaterial
Begleitmaterial · Buchauszug / Textauszug
Heute fehlt die zweite Tasse
Arbeitsauftrag
Lesen Sie den Auszug. Achten Sie darauf, wie das tägliche Ritual zwischen den beiden Nachbarn funktioniert, was Mara an diesem Nachmittag bemerkt und warum sie sich entscheidet, Frau Kaya zu besuchen.
BUCHAUSZUG
Zwei Tassen am Fenster
Seit Mara in die Lindenstraße gezogen war, beobachtete sie jeden Nachmittag dasselbe Bild. Punkt vier Uhr öffnete Herr Seidel das Fenster im Haus gegenüber. Er stellte eine Tasse Tee auf das Fensterbrett und hob sie kurz in die Luft.
Wenige Sekunden später erschien Frau Kaya an ihrem Fenster auf der anderen Straßenseite. Auch sie hielt eine Tasse in der Hand. Die beiden konnten sich wegen des Verkehrs kaum unterhalten. Trotzdem tranken sie jeden Nachmittag gemeinsam Tee. Manchmal winkten sie, manchmal zeigten sie einander die Zeitung oder einen neuen Kuchen.
Mara fand das Ritual zuerst nur freundlich und ein wenig ungewöhnlich. Doch an einem Dienstag erschien am Fenster von Frau Kaya keine Tasse. Der Vorhang blieb geschlossen.
Herr Seidel wartete. Nach zehn Minuten stellte er seine Tasse nicht weg. Er sah immer wieder auf die Uhr und zum Fenster gegenüber. Schließlich öffnete er das Fenster weiter und rief Frau Kayas Namen. Doch wegen der Autos konnte man ihn kaum hören.
Mara ging nach unten und überquerte die Straße. Vor Frau Kayas Wohnung klingelte sie mehrmals. Erst nach einiger Zeit hörte sie eine schwache Stimme hinter der Tür.
Frau Kaya lag mit Fieber im Bett. Ihr Telefon befand sich in der Küche, und sie fühlte sich zu schwach, um aufzustehen. Mara brachte ihr Wasser, rief ihre Nichte an und informierte Herr Seidel.
Später erklärte Frau Kaya, warum die beiden jeden Tag ihre Tassen zeigten. Beide lebten allein. Die Tasse bedeutete nicht nur: „Wir trinken zusammen.“ Sie bedeutete auch: „Ich bin da. Mir geht es gut.“
Wenige Sekunden später erschien Frau Kaya an ihrem Fenster auf der anderen Straßenseite. Auch sie hielt eine Tasse in der Hand. Die beiden konnten sich wegen des Verkehrs kaum unterhalten. Trotzdem tranken sie jeden Nachmittag gemeinsam Tee. Manchmal winkten sie, manchmal zeigten sie einander die Zeitung oder einen neuen Kuchen.
Mara fand das Ritual zuerst nur freundlich und ein wenig ungewöhnlich. Doch an einem Dienstag erschien am Fenster von Frau Kaya keine Tasse. Der Vorhang blieb geschlossen.
Herr Seidel wartete. Nach zehn Minuten stellte er seine Tasse nicht weg. Er sah immer wieder auf die Uhr und zum Fenster gegenüber. Schließlich öffnete er das Fenster weiter und rief Frau Kayas Namen. Doch wegen der Autos konnte man ihn kaum hören.
Mara ging nach unten und überquerte die Straße. Vor Frau Kayas Wohnung klingelte sie mehrmals. Erst nach einiger Zeit hörte sie eine schwache Stimme hinter der Tür.
Frau Kaya lag mit Fieber im Bett. Ihr Telefon befand sich in der Küche, und sie fühlte sich zu schwach, um aufzustehen. Mara brachte ihr Wasser, rief ihre Nichte an und informierte Herr Seidel.
Später erklärte Frau Kaya, warum die beiden jeden Tag ihre Tassen zeigten. Beide lebten allein. Die Tasse bedeutete nicht nur: „Wir trinken zusammen.“ Sie bedeutete auch: „Ich bin da. Mir geht es gut.“
Quelle: Germannika, „Zwei Tassen am Fenster“ · 2026 · Lese-Episode · Autorische Kurzfassung auf Grundlage der Lese-Episode „Zwei Tassen am Fenster“, Niveau A2.2Originalquelle ↗
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