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Germannika
B1.1
Kleider machen Leute – Beurteilen wir Menschen zu schnell nach ihrem Aussehen?
AUSSEHEN, ERSTER EINDRUCK UND VORURTEILE1 Begleitmaterial1 Aufgabe
Begleitmaterial
Begleitmaterial · Buchauszug / Textauszug
Ein armer Schneider wird für einen Grafen gehalten
Arbeitsauftrag
Lesen Sie den Auszug. Achten Sie darauf, wie Wenzel Strapinski wirklich lebt, welchen Eindruck seine Kleidung macht und warum die Menschen ihn sofort für eine wichtige Person halten.
BUCHAUSZUG
Kleider machen Leute
An einem kalten Novembertag wanderte ein armer Schneider namens Wenzel Strapinski nach Goldach. Er hatte keine Arbeit gefunden und besaß fast nichts. In seiner Tasche lag nur ein Fingerhut.
Trotzdem sah Wenzel nicht wie ein armer Handwerker aus. Er trug einen weiten dunkelgrauen Mantel, der mit schwarzem Samt gefüttert war. Dazu hatte er eine schöne Pelzmütze auf dem Kopf. Seine langen schwarzen Haare und sein kleiner Schnurrbart ließen ihn vornehm und geheimnisvoll wirken.
Unterwegs nahm ihn der Kutscher einer leeren, eleganten Reisekutsche mit. Als der Wagen in Goldach vor einem Gasthaus hielt, beobachteten die Menschen den fremden Mann neugierig. Sie sahen die vornehme Kleidung und die teure Kutsche. Deshalb glaubten sie, Wenzel müsse ein reicher und bedeutender Reisender sein.
Der Wirt empfing ihn besonders höflich und ließ sofort ein gutes Essen bringen. Niemand fragte Wenzel, wer er wirklich war. Der schüchterne Schneider fand nicht den Mut, das Missverständnis zu erklären. Je weniger er sagte, desto interessanter und wichtiger erschien er den anderen.
Trotzdem sah Wenzel nicht wie ein armer Handwerker aus. Er trug einen weiten dunkelgrauen Mantel, der mit schwarzem Samt gefüttert war. Dazu hatte er eine schöne Pelzmütze auf dem Kopf. Seine langen schwarzen Haare und sein kleiner Schnurrbart ließen ihn vornehm und geheimnisvoll wirken.
Unterwegs nahm ihn der Kutscher einer leeren, eleganten Reisekutsche mit. Als der Wagen in Goldach vor einem Gasthaus hielt, beobachteten die Menschen den fremden Mann neugierig. Sie sahen die vornehme Kleidung und die teure Kutsche. Deshalb glaubten sie, Wenzel müsse ein reicher und bedeutender Reisender sein.
Der Wirt empfing ihn besonders höflich und ließ sofort ein gutes Essen bringen. Niemand fragte Wenzel, wer er wirklich war. Der schüchterne Schneider fand nicht den Mut, das Missverständnis zu erklären. Je weniger er sagte, desto interessanter und wichtiger erschien er den anderen.
Quelle: Gottfried Keller, „Kleider machen Leute“ · 1874 · Anfang der Novelle · Anfang der Novelle; in „Die Leute von Seldwyla“, zweite vermehrte Auflage, Band 3, S. 7 ff.Originalquelle ↗
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