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Germannika
B1.1

Garten oder Parkplatz – Wie findet man eine Lösung für unterschiedliche Bedürfnisse?

GEMEINSCHAFTSFLÄCHEN, BARRIEREFREIHEIT UND KOMPROMISSE1 Begleitmaterial1 Aufgabe

Begleitmaterial

Begleitmaterial · Buchauszug / Textauszug

Der Garten steht auf dem falschen Platz

Arbeitsauftrag
Lesen Sie den Auszug. Achten Sie darauf, warum die Bewohner den Garten auf Parkplatz 27 anlegen, weshalb Herr Haas widerspricht und wie sich die Diskussion verändert, nachdem seine persönliche Situation bekannt wird.
BUCHAUSZUG
Germannika
Ein Garten auf Parkplatz 27
Lese-Episode · 2026 · Germannika · Online
Hinter dem Wohnhaus standen vierzig Parkplätze. Die meisten waren fest an einzelne Wohnungen vermietet. Parkplatz 27 wurde jedoch seit Monaten nur selten benutzt.

Mira aus Haus C hatte deshalb eine Idee. Gemeinsam mit anderen Bewohnern baute sie drei große Hochbeete auf Rollen. Darin pflanzten sie Tomaten, Salat, Kräuter und Blumen. Kinder bemalten das Holz, und auf einem Schild stand: „Garten 27 – Pflanzen und ernten für alle.“

Die Hausverwaltung hatte das Projekt zunächst für acht Wochen erlaubt. Voraussetzung war, dass die Beete beweglich blieben und keine Zufahrt blockierten.

Der kleine Garten wurde schnell beliebt. Ältere Bewohner setzten sich dort auf eine Bank. Kinder gossen die Pflanzen. Wer Kräuter brauchte, durfte etwas ernten. Einige Menschen, die vorher kaum miteinander gesprochen hatten, trafen sich nun regelmäßig auf dem Parkplatz.

Nur Herr Haas war gegen das Projekt. Er war zweiundsiebzig Jahre alt und wohnte seit fast dreißig Jahren im Erdgeschoss. Früher hatte sein dunkler Wagen fast immer auf Platz 27 gestanden. Seit einigen Monaten fuhr er jedoch nur noch selten.

„Ein Parkplatz bleibt ein Parkplatz“, sagte er bei der Hausversammlung. „Sie können nicht einfach entscheiden, dass er nicht mehr gebraucht wird.“

Mira antwortete, dass der Platz meistens leer sei. Außerdem nutzten inzwischen viele Bewohner den Garten.

„Viele Menschen können auch einen anderen Platz benutzen“, sagte Herr Haas. „Ich nicht.“

Er erklärte, dass er nach einer Operation nur noch kurze Strecken gehen könne. Der Weg von den hinteren Parkplätzen bis zu seiner Wohnung sei für ihn zu weit. An manchen Tagen benutze er einen Gehstock, an anderen müsse seine Tochter ihn direkt vor den Eingang fahren.

Herr Haas hatte bereits beantragt, Parkplatz 27 offiziell als Behindertenparkplatz zu kennzeichnen. Die Entscheidung der Hausverwaltung war jedoch noch nicht getroffen worden. Er hatte darüber nicht gesprochen, weil er seine gesundheitliche Situation nicht vor allen Nachbarn erklären wollte.

Im Raum wurde es still. Mira hatte geglaubt, Herr Haas verteidige nur einen alten persönlichen Anspruch. Nun verstand sie, dass es um selbstständige Mobilität ging.

Trotzdem wollte niemand den Gemeinschaftsgarten vollständig aufgeben. Eine Bewohnerin schlug vor, die Hochbeete auf Parkplatz 31 zu verschieben. Dieser Platz lag weiter vom Eingang entfernt, wurde aber ebenfalls kaum benutzt. Die Beete besaßen Rollen und konnten gemeinsam transportiert werden.

Einige Nachbarn fanden Platz 31 weniger geeignet, weil dort am Nachmittag weniger Sonne war. Deshalb sollten zwei Beete auf den Parkplatz und ein Beet an die sonnige Hauswand gestellt werden.

Am folgenden Samstag bewegten zwölf Bewohner die Beete. Platz 27 erhielt eine neue Markierung und ein Schild für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Herr Haas half später bei der Pflege der Tomaten auf Platz 31. Arbeiten im Stehen fiel ihm schwer, aber er konnte im Sitzen trockene Blätter entfernen.

Auf eines der Hochbeete schrieb Mira schließlich: „Ein guter Platz entsteht, wenn wir auch für andere Platz machen.“
Quelle: Germannika, „Ein Garten auf Parkplatz 27“ · 2026 · Lese-Episode · Autorische Kurzfassung auf Grundlage der Lese-Episode „Ein Garten auf Parkplatz 27“, Niveau B1.1Originalquelle ↗
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