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Germannika
B1.1

Wenn man sich Vorwürfe macht – Wie kann ein Gespräch entlasten?

SCHULDGEFÜHLE, VERANTWORTUNG UND OFFENE GESPRÄCHE1 Begleitmaterial1 Aufgabe

Begleitmaterial

Begleitmaterial · Buchauszug / Textauszug

Stineli erzählt endlich, was passiert ist

Arbeitsauftrag
Lesen Sie den Auszug. Achten Sie darauf, wie sich Stinelis Schuldgefühle auf ihren Alltag auswirken, warum sie so lange schweigt und wie die Großmutter die Situation anders beurteilt.
BUCHAUSZUG
Johanna Spyri
Heimatlos. Zwei Geschichten für Kinder und auch für solche, welche die Kinder lieb haben
Zehntes Kapitel „Ein wenig Licht“ · 1878 · Friedrich Andreas Perthes · Gotha
Seit Rico verschwunden war, wurde Stineli von Tag zu Tag stiller und dünner. Sie erzählte den kleinen Kindern keine Geschichten mehr und lachte kaum noch. Vor Angst und Unruhe konnte sie nicht richtig essen oder schlafen.

Drei Wochen später nahm die Großmutter Stineli mit in ihr Zimmer. Sie glaubte, das Mädchen sei vor allem traurig, weil Rico wahrscheinlich nicht mehr zurückkommen würde.

Da begann Stineli heftig zu weinen. „Ich bin schuld“, sagte sie. „Rico hat immer von dem schönen See gesprochen. Ich habe den Weg dorthin herausgefunden und ihn ermutigt, hinzufahren. Nun ist er vielleicht unterwegs verunglückt. Wenn ich nichts gesagt hätte, wäre er noch hier.“

Die Großmutter ließ Stineli die ganze Geschichte erzählen. Sie erfuhr zum ersten Mal, dass Rico den See aus seiner frühen Kindheit kannte und schon lange dorthin wollte.

Für die Großmutter bedeutete diese Information nicht, dass Stineli an einem Unglück schuld war. Im Gegenteil: Nun gab es wieder Hoffnung. Rico war vielleicht nicht in den Bergen verunglückt, sondern hatte sich auf den Weg zu dem See gemacht.

„Du weißt nicht, was passiert ist“, erklärte die Großmutter ruhig. „Du darfst deine Angst nicht wie eine sichere Wahrheit behandeln. Es war richtig, dass du mir alles erzählt hast. Jetzt können wir gemeinsam überlegen, was zu tun ist.“
Quelle: Johanna Spyri, „Heimatlos. Zwei Geschichten für Kinder und auch für solche, welche die Kinder lieb haben“ · 1878 · Zehntes Kapitel „Ein wenig Licht“ · Erste Erzählung „Am Silser- und am Gardasee“, zehntes Kapitel „Ein wenig Licht“; in der digitalen Navigation als Kapitel 11 geführtOriginalquelle ↗
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