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Germannika
B1.2

Einmal fehlen, sofort verdächtig – Wie sollten Betriebe mit Krankmeldungen umgehen?

KRANKHEIT, ARBEITSDRUCK UND VERTRAUEN1 Begleitmaterial1 Aufgabe

Begleitmaterial

Begleitmaterial · Buchauszug / Textauszug

Der Prokurist kommt persönlich nach Hause

Arbeitsauftrag
Lesen Sie den Auszug. Achten Sie darauf, wie Gregors Arbeitgeber auf sein einmaliges Fehlen reagiert, welche Erwartungen der Prokurist an kranke Beschäftigte stellt und warum Gregor trotz seines Zustands unbedingt zur Arbeit fahren möchte.
BUCHAUSZUG
Franz Kafka
Die Verwandlung
Erster Teil · 1915 · Verlag der Weißen Bücher · Leipzig
Gregor Samsa hatte an diesem Morgen den frühen Zug verpasst. Er konnte nicht aufstehen und fühlte sich körperlich überhaupt nicht in der Lage zu arbeiten. Trotzdem dachte er sofort an seinen Chef und an die möglichen Folgen.

Gregor war seit fünf Jahren bei der Firma beschäftigt und hatte sich in dieser ganzen Zeit noch nie krankgemeldet. Trotzdem vermutete er, dass sein Chef ihm nicht glauben würde. Vielleicht würde sogar der Arzt der Krankenkasse kommen und behaupten, Gregor sei gesund, aber arbeitsscheu.

Kurz darauf klingelte es an der Wohnungstür. Die Firma hatte nicht nur einen Mitarbeiter geschickt, um nachzufragen. Der Prokurist war persönlich gekommen, weil Gregor den ersten Zug versäumt hatte.

Gregors Mutter erklärte: „Ihm ist nicht wohl. Sonst würde er niemals einen Zug verpassen. Er denkt doch fast nur an seine Arbeit.“

Der Prokurist antwortete, dass Geschäftsleute ein leichtes Unwohlsein oft aus geschäftlichen Gründen überwinden müssten. Dann verlangte er von Gregor eine sofortige und deutliche Erklärung. Gregor mache seinen Eltern unnötige Sorgen und vernachlässige seine beruflichen Pflichten auf eine unerhörte Weise.

Gregor geriet in Panik. Er erklärte, ein Schwindelanfall habe ihn am Aufstehen gehindert. Gleichzeitig versprach er, noch mit dem Achtuhrzug zur Arbeit zu fahren. Die wenigen Stunden Ruhe hätten ihn bereits gestärkt. Außerdem bat er den Prokuristen, dem Chef nichts Negatives über ihn zu berichten.

Obwohl Gregor offensichtlich Hilfe brauchte, beschäftigte ihn vor allem eine Frage: Wie konnte er beweisen, dass er kein fauler oder unzuverlässiger Mitarbeiter war?
Quelle: Franz Kafka, „Die Verwandlung“ · 1915 · Erster Teil · Erster Teil; Gregors Versäumnis des Frühzugs, der Besuch des Prokuristen und das Gespräch über Krankheit und berufliche Pflichten; Erstveröffentlichung in „Die Weißen Blätter“, 2. Jahrgang, Heft 10, S. 1182–1186Originalquelle ↗
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