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Germannika
C1.1
Sehnsucht nach Land, Menschen und Vergangenheit · Verantwortung gegenüber alternden Eltern in der Ferne · Kritik und Verbundenheit
HEIMWEH, FAMILIENVERANTWORTUNG UND KRITISCHE ZUGEHÖRIGKEIT1 Begleitmaterial3 Aufgaben
Begleitmaterial
Begleitmaterial · Video
Nachtgedanken
Arbeitsauftrag
Sieh dir das Musikvideo vollständig an und lies anschließend den Gedichttext. Achte darauf, wie der Gedanke an Deutschland zunächst politische und nationale Assoziationen weckt, sich dann aber auf die Mutter, verstorbene Menschen und persönliche Verlustangst konzentriert. Untersuche außerdem die ironischen Aussagen über das Vaterland und den Kontrast zwischen deutschen Sorgen und französischem Tageslicht. Wähle danach eine der drei Schreibaufgaben.
Heinrich Heines Gedicht beginnt mit schlafloser Sorge beim Gedanken an Deutschland. Im weiteren Verlauf zeigt sich, dass die tiefste Sehnsucht nicht dem Staat, sondern der alten Mutter, den Briefen, der verlorenen Nähe und verstorbenen geliebten Menschen gilt. Die scheinbar beruhigenden Aussagen über den ewigen Bestand und die Gesundheit des Landes sind ironisch gebrochen. Am Ende löst das französische Tageslicht zusammen mit der gegenwärtigen Partnerin die nächtliche Last vorübergehend ab. Das Gedicht eröffnet Fragen nach dem eigentlichen Gegenstand von Heimweh, nach Verantwortung gegenüber alternden Eltern in der Ferne und nach kritischer Verbundenheit mit einem Herkunftsland.
AKTE FREIGEGEBENGedichttext: NachtgedankenErst nach dem Hören oder Sehen öffnen.FREIGEGEBEN
AKTE · TRANSKRIPTFREIGEGEBEN
Nachtgedanken
Nach dem Gedicht von Heinrich Heine
Strophe 1
Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.
Strophe 2
Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,
Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.
Strophe 3
Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext.
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!
Strophe 4
Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.
Strophe 5
Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
Zwölf lange Jahre flossen hin,
Zwölf Jahre sind verflossen,
Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.
Strophe 6
Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land!
Mit seinen Eichen, seinen Linden
Werd ich es immer wiederfinden.
Strophe 7
Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.
Strophe 8
Seit ich das Land verlassen hab,
So viele sanken dort ins Grab,
Die ich geliebt – wenn ich sie zähle,
So will verbluten meine Seele.
Strophe 9
Und zählen muss ich – Mit der Zahl
Schwillt immer höher meine Qual,
Mir ist, als wälzten sich die Leichen
Auf meine Brust – Gottlob! sie weichen!
Strophe 10
Gottlob! durch meine Fenster bricht
Französisch heitres Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.
Nach dem Gedicht von Heinrich Heine
Strophe 1
Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.
Strophe 2
Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,
Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.
Strophe 3
Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext.
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!
Strophe 4
Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.
Strophe 5
Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
Zwölf lange Jahre flossen hin,
Zwölf Jahre sind verflossen,
Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.
Strophe 6
Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land!
Mit seinen Eichen, seinen Linden
Werd ich es immer wiederfinden.
Strophe 7
Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.
Strophe 8
Seit ich das Land verlassen hab,
So viele sanken dort ins Grab,
Die ich geliebt – wenn ich sie zähle,
So will verbluten meine Seele.
Strophe 9
Und zählen muss ich – Mit der Zahl
Schwillt immer höher meine Qual,
Mir ist, als wälzten sich die Leichen
Auf meine Brust – Gottlob! sie weichen!
Strophe 10
Gottlob! durch meine Fenster bricht
Französisch heitres Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.
Quelle & Rechte anzeigen+
Heinrich Heine, Originalgedicht; Germannika, Textbearbeitung, musikalische Interpretation, Vertonung, Aufnahme und Video · „Nachtgedanken“ · YouTube-Kanal Germannika / Wikisource
Abruf: 31.07.2026
„Nachtgedanken“ – musikalische Interpretation des gemeinfreien Gedichts von Heinrich Heine. Bearbeitung, Vertonung, Aufnahme und Video: Germannika.
Abruf: 31.07.2026
„Nachtgedanken“ – musikalische Interpretation des gemeinfreien Gedichts von Heinrich Heine. Bearbeitung, Vertonung, Aufnahme und Video: Germannika.
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