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Germannika
C1.1

Gefährliche Mutproben in Beziehungen · Mut zwischen Würde und Selbstdarstellung · Verantwortung für riskante Unterhaltung

LIEBESBEWEISE, MUT UND VERANTWORTUNG FÜR RISIKEN1 Begleitmaterial3 Aufgaben

Begleitmaterial

Begleitmaterial · Video

Der Handschuh

Arbeitsauftrag
Sieh dir das Musikvideo vollständig an und lies anschließend den Balladentext. Achte darauf, wie Gefahr, höfische Öffentlichkeit, Liebesforderung und persönliche Würde miteinander verbunden werden. Untersuche besonders Kunigundes Aufforderung, den Gang des Ritters durch die Arena und seine abschließende Zurückweisung. Wähle danach eine der drei Schreibaufgaben.
Die Ballade zeigt ein höfisches Kampfspiel mit wilden Tieren, das von König, Adel und Damen als öffentliche Unterhaltung beobachtet wird. Als Kunigunde ihren Handschuh in die Arena fallen lässt, fordert sie Ritter Delorges auf, seine Liebe durch eine lebensgefährliche Tat zu beweisen. Er holt den Handschuh tatsächlich zurück, verweigert ihr jedoch die erwartete Anerkennung und beendet die Beziehung. Die bearbeitete Liedfassung gestaltet besonders die Tierkampfszene, den Abstieg des Ritters und seine Rückkehr neu. Daraus entstehen Fragen nach gefährlichen Liebesbeweisen, nach dem Unterschied zwischen Mut und Selbstdarstellung sowie nach der Verantwortung für Unterhaltung, bei der Menschen und Tiere gefährdet werden.
AKTE FREIGEGEBENBalladentext: Der HandschuhErst nach dem Hören oder Sehen öffnen.FREIGEGEBEN
AKTE · TRANSKRIPTFREIGEGEBEN
Der Handschuh
Nach der Ballade von Friedrich Schiller

Vor seinem Löwengarten,
das Kampfspiel zu erwarten,
saß König Franz,
und um ihn die Großen der Krone,
und rings auf hohem Balkone
die Damen in schönem Kranz.

Und wie er winkt mit dem Finger,
auf tut sich der weite Zwinger,
und hinein mit bedächtigem Schritt
ein Löwe tritt,
und schaut sich stumm
ringsum
mit langem Gähnen,
und schüttelt die Mähnen
und legt sich nieder.

Da öffnet sich ein zweites Tor,
daraus rennt mit wildem Gebaren
ein Tiger hervor.
Wie der den Löwen erschaut,
brüllt er laut,
schlägt mit dem Schweif
einen furchtbaren Reif,
und streckt die Zunge,
und im Kreise scheu
umgeht er den Leu,
grimmig schnurrend.
Drauf legt auch er sich nieder.

Und der König winkt wieder,
da tun sich schnell
mit Gepolter die Tore zwei,
und heraus springen zwei Leoparden
hinein in den Freien Garten.
Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
auf das Tiger-Leu’n-Paar,
das sich zur Wehr
erhebt,
und die Arena bebt.

Und sie schreien und fauchen,
und sich umhauen
mit Tatzen und Klauen
und rollen und rennen,
sich aufeinander zu pennen,
und mittendrinnen – da –
mit einem Male –
reißen sie aus und stehen still,
wie eine gebietende Königswille,
da fällt aus des Damenschoße
ein Handschuh mitten unter die Tiere.

Und zu Ritter Delorges spottender Weise
wendet sich Fräulein Kunigunde:
„Herr Ritter, ist Eure Lieb’ so heiß,
wie Ihr mir’s schwört zu jeder Stunde,
ei so hebt mir den Handschuh auf!“

Und der Ritter geht mit festem Schritt,
und aus dem Gesperr
mit sicherem Tritt
steigt er hinab,
und mitten durch die wilden Tiere
hinweg mit keckem Finger
hebt er den Handschuh auf.

Und mit Erstaunen und mit Grauen
sehen’s die Ritter und Edelfrauen,
und gelassen bringt er den Handschuh zurück,
und die Damen nicken mit höflichem Blick.

Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:
„Den Dank, Dame, begehr ich nicht!“
und verläßt sie zur selben Stunde.
Quelle & Rechte anzeigen
Friedrich Schiller, Originalballade; Germannika, umfangreiche Textbearbeitung, musikalische Interpretation, Vertonung, Aufnahme und Video · „Der Handschuh“ · YouTube-Kanal Germannika / Wikisource
Abruf: 31.07.2026
„Der Handschuh“ – musikalische Interpretation und umfangreiche Textbearbeitung nach der gemeinfreien Ballade von Friedrich Schiller. Bearbeitung, Vertonung, Aufnahme und Video: Germannika.
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